Ada – Diagnose aus dem Handy?

Als persönliche Gesundheitshelferin, wie sie der Hersteller Ada Health im App Store bezeichnet, agiert die App Ada und hilft Nutzern bei der Einschätzung von Krankheitssymptomen, wenn sie Beschwerden haben und sich schlecht fühlen. Wesentlicher Nutzen der App ist dabei aus meiner Sicht eine Empfehlung wie weiter vorzugehen ist, also beispielsweise, ob man mit seinen Symptomen abwarten, demnächst zum Hausarzt gehen oder dringend die Notaufnahme aufsuchen sollte.

Wie funktioniert Ada?

Ada führt eine sogenannte personalisierte Symptom-Analyse mit Hilfe von künstlicher Intelligenz durch. Zur Personalisierung werden dabei Daten wie Geschlecht, Alter und Risikofaktoren des Nutzers beziehungsweise Patienten mit Beschwerden eingegeben. Dazu werden diese Daten einmal nach dem Start abgefragt und verschlüsselt auf Servern des Herstellers in der EU gespeichert.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Einmal gestartet fragt die App den Nutzer in einer Frage-Antwort-Sitzung nach seinen Beschwerden. Abhängig von den Antworten kommen jeweils weitere Fragen, um ein möglichst umfassendes Bild der Symptome und Situation zu bekommen.

Das kann schon einige Zeit in Anspruch nehmen. In meinen Tests habe ich die Anzahl der Fragen zwar nicht gezählt, aber rund 20, 25 werden es wohl gewesen sein, die ich beantworten musste, bevor ich einen Diagnosevorschlag bekam.

Auch der Standort des Nutzers kann in die Symptom-Analyse mit einbezogen werden. Als einfaches Beispiel wird für die Relevanz gerne folgendes genannt: zwei Freunde, gleich alt, gleich groß und auch sonst vergleichbar, können die gleichen Symptome, aber unterschiedliche Krankheiten haben: während der eine beispielsweise in Hamburg eine Grippe hat, hat der andere in Afrika Malaria. Insofern kann der Standort des Nutzers mit seinen Beschwerden durchaus einen Unterschied ausmachen.

Als Ergebnis bekommt der Nutzer die fünf Krankheiten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu seinen Beschwerden genannt. Dies wird ergänzt mit dem Hinweis, ob er mit seinen Symptomen zuhause bleiben kann, demnächst zum Arzt muss („Ärztlichen Rat einholen“) oder sogar direkt in die Notaufnahme sollte, siehe Bild 2.

Bild 1: Symptomabfrage

Was mir gut gefällt: für die verschiedenen Krankheiten werden die Wahrscheinlichkeiten angezeigt – aber nicht in Prozent, sondern in Angaben wie „fünf von zehn Personen mit den gleichen Symptomen haben diese Erkrankung.“

Sind übrigens die Daten für die Personalisierung, also Alter, Geschlecht et cetera, bekannt, so kann auch eine Symptomanalyse für andere Personen durchgeführt werden. Die Daten bleiben mit dem Namen der Person gespeichert und können so jederzeit für „neue Fälle“, wie es in der App heißt, beziehungsweise weitere personalisierte Diagnosevorschläge verwendet werden.

Woher hat ADA ihr Wissen?

Bild 2: Diagnosevorschläge

Basis für die Auswertung von Ada sind – Stand Anfang 2019 – rund 5.000 Symptome und 1.000 Krankheiten, die Ada aus unterschiedlichen Quellen „gelernt“ hat. Dazu arbeitet ein Medical Content Team von 40 Vollzeitbeschäftigten Medizinern an Ada mit. Sie bringen dem System die Grundlagen bei, zum Beispiel, was in medizinischen Lehrbüchern steht, wie Krankheiten typischerweise verlaufen, aber auch normale Behandlungsverläufe sind. Dazu kommen tausende Referenzfälle, mit denen das System „gefüttert“ wurde.

Nur Ärzte dürfen übrigens Diagnosen stellen. Deshalb ist das von Ada gelieferte Ergebnis auch keine Diagnose, sondern nur ein Diagnosevorschlag.

Andererseits fehlen durch die Nutzung einer App ja auch bestimmte Parameter, die ein Arzt im Besuch in der Sprechstunde erheben würde, wie beispielsweise eine Blutabnahme, die Körpertemperatur zu fühlen oder tasten, wo es genau schmerzt. So macht es also Sinn, mehrerer mögliche Krankheiten mit Wahrscheinlichkeiten als Diagnosevorschlag anzuzeigen.

Das Ärzteblatt spricht von über 85% richtiger Einschätzungen durch Ada. Dieses gute Ergebnis führt auch zu einer generell positiven Einschätzung der App durch Ärzten. Dazu kommt, dass die Informationen, die der Nutzer bekommt, passender zu seinen Beschwerden sind, als wenn er ohne Hilfe nach seinen Symptomen googelt.

Die App Ada ist ein zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse 1.

Mein Fazit

Mir gefällt die App und ich denke, durch das positive Feedback vieler Ärzte ist eine Nutzung durchaus sinnvoll.

Für mich persönlich ist ein konkreter Anwendungsfall aber eher schwer vorstellbar. Wenn es mir schlecht geht, gehe ich – alleine schon aufgrund der Risiken meiner chronischen Krankheit – direkt zum Arzt. Ich würde auch nicht googeln, um die Ursache meiner Beschwerden zu bekommen. Insofern bin ich sicher nicht der typische Nutzer einer Diagnose(vorschlags)-App.

Bevor Sie aber tatsächlich wild googeln, sollten Sie ADA benutzen. Das Ergebnis, also der Diagnosevorschlag, dürfte schneller und passender durch die App zu bekommen sein, als wenn Sie im Internet selber die richtige Diagnose versuchen zu finden.

Und wie eigentlich immer gilt bei seltenen Krankheit: ein (Haus-) Arzt kann in seinem Berufsleben nicht alle Krankheiten sehen und somit auch asu Erfahrung erkennen. In solchen Fällen macht eine Unterstützung durch künstliche Intelligenz absolut Sinn und ist erfolgversprechender. Dabei kann Ada helfen.

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