24-Stunden-Blutdruckmessung am Handgelenk mit Aktiia

Was ich ja überhaupt nicht mag: Als Patient mit einer chronischen Nierenerkrankung habe ich (natürlich) auch Bluthochdruck und muss nicht nur regelmäßig meinen Blutdruck messen und beobachten, sondern auch häufig eine 24-Stunden-Blutdruckmessung machen. Dafür gibt es spezielle Geräte aus dem Krankenhaus beziehungsweise der Praxis. Die Manschette wird ganz normal um den Oberarm gelegt und stört mich nicht, auch nicht während der häufigen Messungen (alle 15 oder 20 Minuten tagsüber, alle 30 Minuten in der Nacht). Unbequem und störend empfinde ich aber die dazu notwendigen, eigentlich gar nicht einmal so großen Geräte, die die Messung auslösen und aufzeichnen, mit dazugehöriger Umhängetasche und Gurt, den man über die Schulter tragen soll.

Eine deutlich angenehmere Lösung für solch kontinuierliche Blutdruckmessungen präsentiert jetzt der Schweizer Hersteller Aktiia SA mit seinem Armband.

Das Aktiia Band

Das für die Messung am Handgelenk zu tragende Aktiia-Armband, siehe Titelbild oben, ist ein nach europäischer Norm zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa. Es ist schlank, hat ein Display und wirkt wie ein normales Fitnessarmbeand, beispielsweise von Fitbit. Laut Aktiia ist es für Nutzer zwischen 21 und 65 Jahren ausgelegt, allerdings gibt es im Handbuch auch einige Kontraindikationen, bei denen es nicht verwendet werden darf.

Mit dem Aktiia Armband wird der Blutdruck am Handgelenk nach eigenen Angaben rund 100 mal pro Woche gemessen. Das ist rechnerisch also rund 14mal am Tag oder im Durchschnitt etwas mehr als alle zwei Stunden eine Messung (auf der Webseite steht „stündliche Messung“). Gerade für jemanden wie mich, dessen Probleme in der fehlenden Absenkung des Blutdrucks in der Nacht liegen, wäre eine solche Aufzeichnung natürlich sehr hilfreich!

Die Bestimmung des Blutdrucks erfolgt mit Hilfe optischer Sensoren. Dabei werden die photoplethysmografischen Signale, die durch die bei jedem Herzschlag sich verändernden Durchmesser der Arterien entstehen, gemessen und analysiert (wie die optische Messung funktioniert habe ich in „Pulsmessung mit der Armbanduhr“ genauer erklärt).

Wenn ich es richtig verstehe, wird dadurch der Blutdruck nicht direkt gemessen, sondern es werden Blutdruckunterschiede zu einem Referenzwert bestimmt. Um den dafür notwendigen Referenzwert festzulegen, ist vor der ersten Benutzung eine Kalibrierung mit einer im Lieferumfang enthaltenen Oberarm-Blutdruckmanschette notwendig. Zur Sicherstellung der Messwertqualität muss man das Aktiia-Armband auch danach jeweils einmal monatlich kalibrieren. Interessant: Armband und Manschette sollen sich bei der Kalibrierung nicht an demselben Arm befinden.

Da es sich um eine optische Messung handelt, muss der Nutzer keine bestimmte Haltung oder Position bei den Messungen einnehmen. Das Aktiia-Armband ist aber nur für Messungen in Ruhephasen ausgelegt. So wird über einen Beschleunigungssensor gemessen, ob der Träger zum Beispiel gerade Sport macht und eine Messung dann nicht durchgeführt. Im Ärzteblatt erschien dazu bereits 2018 ein Artikel, der die Vor- und auch die von Aktiia entsprechend berücksichtigten Nachteile der photoplethysmografischen Blutdruckmessung aufzählt: „Blutdruckmessung bald ohne Manschette?“. In mehreren klinischen Studien hat Aktiia nachgewiesen, dass die gemessenen Werte qualitativ denen einer Oberarmmanschette entsprechen.

Eine Batterieladung hält laut mobihealthnews bis zu einem Monat, das Startup selbst schreibt auf seiner Webseite von bis zu 9 Tagen.

Die App

Das Armband verwendet wie bei smarten Geräten üblich Bluetooth Low Energy (BLE), um die Daten zur App auf das Handy zu übertragen. Dabei werden die Daten auf dem Band zwischengespeichert beziehungsweise gesammelt und die Verbindung zwischen dem Aktiia-Band und der App muss nicht ununterbrochen bestehen. Die App gibt es für iOS und Android, sie speichert die Daten dann (über verschlüsselte Kommunikation) auf den Cloudservern von Aktiia „in Europa“.

Prima: Es scheint einen übersichtlichen pdf-Report zu geben, den man ausdrucken oder an seinen Arzt per Mail schicken kann. Ich konnte das (mangels Testgerät) nicht selber ausprobieren. Aber üblicherweise ist ja gerade die Kommunikation beziehungsweise der Austausch mit dem Arzt zu den „zu Hause“ gemessenen Werten ein Problem. Das scheint hier nicht der Fall zu sein.

Preis und Modalitäten

Verschiedene Medien, wie zum Beispiel Mednic, melden, dass der Versand nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz begonnen hat. Auf der Webseite steht, dass nur Bestellung aus / ins Vereinigte Königreich erfolgen können. Als Versandadresse kann man aber auch eine deutsche Adresse eingeben. Eventuell wird es dann nur vorbestellt?

Auf der Webseite steht weiter „Zahlen Sie monatlich 99.99 € und 8.99 € für den Zugang zum Aktiia-Service“. Das scheint aber schlecht übersetzt zu sein. Wenn man das Aktiia-Armband in den Warenkorb legt, dann werden eine einmalige Zahlung von 99,99 € und monatliche Kosten von 8,99 € für das Abonnement angezeigt. Das ist schon realistischer. Als Jahresabo sind einmalig 199,99 € zu zahlen. Das bedeutet gegenüber dem Monatsabo lediglich eine Ersparnis von knapp 8 € (weniger als ein Monatsbeitrag). Auch bedeutet das Monatsabo wohl nicht mehr oder weniger als nur, dass die App die gesammelten Werte anzeigt.

Während die Preise auf der Webseite in Euro angegeben werden, steht in den FAQ, dass nach Ablauf des ersten Abos Folgekosten von 6,99 GBP anfallen.

Schlecht: In den FAQs steht auch, dass „sobald sich Ihr Dienst im gekündigten Status befindet, können Sie keine Blutdruckwerte mehr erfassen, hochladen oder analysieren.“ Wenn also bereits mit der Aussprache der Kündigung (und nicht deren effektivem Eintritt) keine Messungen mehr erfolgen können, so wäre das nicht besonders kundenfreundlich.

Das Preismodell und die Modalitäten sind also anscheinend noch ein wenig unausgegoren oder schlecht kommuniziert.

Fazit

Das Produkt an sich finde ich ja klasse. Insbesondere wenn es auch die durch die Medizinprodukt-Zertifizierung versprochene Qualität hält. Da ich üblicherweise ein Problem mit der Nachtabsenkung meines Blutdrucks habe, wäre das ein ideales Meßinstrument.

Von einer (Vor-) Bestellung kann ich nach intensiver Durchsicht der Webseite bislang aber nur abraten. Hier sind einige widersprüchliche und offensichtlich falsche Informationen angegeben, insbesondere auch bei so sensiblen Themen wie der Preisgestaltung. Da muss Aktiia nachbessern, bevor man einen Kauf empfehlen und wagen kann.

3 Kommentare

  1. Danny

    Guten tag interesannte sache ich kann dem nichts abegewinnen,
    Durch mein impulsives borderline
    Muss ich regelmässige genaue kontrollen durchfüheren
    Ein andrer genauer und auch nicht nervender 24 stunden messvorgang bietet somnomedicsAktiia 24h Blutdruckmessgerät

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  2. Renate puschkew

    Wo kann man das bestellen?

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