(Stand: 15.04.2021; der Artikel wird laufend aktualisiert)

Einfach erklärt:

Das E-Rezept

Wussten Sie eigentlich, dass pro Jahr in Deutschland aktuell rund 500 Millionen Papierrezepte ausgestellt werden? Mit der Digitalisierung ist es dann schon alleine für unsere Umwelt ein großer Schritt, wenn wir diese Papiermengen durch eine IT-Lösung ablösen!

Aber auch für die am Rezeptprozess beteiligten Parteien hat die Ablösung der Papierrezepte und die Einführung des elektronischen Rezepts (E-Rezept) Vorteile. So kann es keine Probleme oder Verwechslungen in der Apotheke mehr geben, welches Medikament ein Arzt mit seiner vielleicht unleserlichen Handschrift eigentlich gemeint hat. Die Stärke des Medikamentes ist klar definiert und auch die Einnahmevorschriften sind eindeutig zu lesen. Insofern dürften durch das E-Rezept auch Verwechselungen und falsche Abgaben reduziert werden.

Auch wir Patienten haben Vorteile. So können zum Beispiel bei Folgeverschreibungen (wenn man also ein Medikament mehr als nur einmal verschrieben bekommt) die Wege in die Arztpraxis vermieden werden, da das Rezept ja auch auf elektronischem Weg dem Patienten zur Verfügung gestellt wird. Das verringert den Aufwand für chronisch kranke Personen und reduziert in Zeiten von Epidemien und Pandemien die Ansteckungsgefahr in Wartezimmern!

Wie bekomme ich mein E-Rezept

Zunächst einmal ändert sich nichts, die Rezepte stellen Ihnen weiterhin Ihre Ärzt:innen aus.

Wenn Sie in die Praxis kommen, dann ist der zukünftige Prozess sehr ähnlich zum heutigen Prozess. Lediglich wird der Arzt am Ende Ihrer Untersuchung oder Ihres Gesprächs nicht mehr seinen Drucker aktivieren, um die Medikamente, die er Ihnen verschreiben will, auf ein rosa Formular auszudrucken. Stattdessen wird er zwar weiterhin die Daten für das Rezept in sein Praxisverwaltungssystem im Computer eingeben, Ihnen dann aber mit der Software das E-Rezept zusenden.

WICHTIG! Um das Rezept empfangen zu können, brauchen Sie die E-Rezept-App. Anders als bei der elektronischen Patientenakte (ePA), bei der es von jeder Krankenkasse eine eigene App gibt, wird es bundesweit zunächst eine einheitliche E-Rezept-App geben.
Von dieser einheitlichen E-Rezept-App aus können die Nutzer dann wahrscheinlich ihre E-Rezepte auch an E-Rezept-Apps anderer Anbieter weiterleiten.
Diese einheitliche E-Rezept-App ist noch nicht verfügbar, wird aber rechtzeitig in den Apps Stores von Apple, Google und Huawei bereitgestellt und muss von uns als Nutzern heruntergeladen werden. Die E-Rezept-App wird von der gematik entwickelt und zur Verfügung gestellt. Das ist das Unternehmen, welches auch die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) zur Verbindung von Ärzten, Krankenhäusern etc. aufgebaut hat und betreibt. Die gematik ist ein mehrheitlich dem Bundesgesundheitsministerium gehörendes Unternehmen.

Wie funktioniert das E-Rezept

Technisch gesehen speichert der Arzt mit seinem Praxisverwaltungssystem (PVS) die Informationen des Rezeptes auf einem zentralen Server, der zu der erwähnten Telematikinfrastruktur gehört. Gespeichert werden alle Informationen, die auch heute auf dem Papierrezept enthalten sind.

Damit diese Informationen wiedergefunden und abgerufen werden können, generiert das System einen QR-Code. Diesen QR-Code bekommen Sie als Nutzer in Ihre E-Rezept-App gesendet. Dabei enthält der QR-Code keine Informationen über die Medikamente, er dient quasi nur als Wegweiser und Schlüssel zu den auf dem Server gespeicherten Rezeptdaten.

Im einfachsten Fall können Sie mit der E-Rezept-App in die nächste Apotheke gehen, den QR-Code vorzeigen, mit der die Apotheke dann auf die auf dem Server gespeicherten Rezeptdaten zugreifen und Ihnen das Medikament heraussuchen und geben kann. Oder Sie können nach dem Erhalt des QR-Codes diesen an bis zu drei Apotheken schicken und anfragen, wer das Medikament vorrätig hat oder bestellen muss und Ihnen (wann) aushändigen kann. Dann können Sie eine der Apotheken auswählen und diese beauftragen, das Medikament für Sie zu besorgen.

WICHTIG: Sie sind nicht verpflichtet die von der gematik rechtzeitig zur Verfügung gestellte E-Rezept-App zu nutzen. Stattdessen können Sie, wenn Sie beispielsweise kein Handy haben, Ihr E-Rezept mit den QR-Codes von Ihrem Arzt ausgedruckt bekommen (siehe Bild 1) und dieses dann in der Apotheke Ihrer Wahl einlösen!
Bild 1: Ausdruck E-Rezept (Arbeitsstand aus einer Präsentation vom Health Innovation Hub hih)

Stufenweise Einführung des E-Rezeptes

Stufe 1 – 01.07.2021

Die Einführung beginnt in einer ersten Stufe ab Mitte 2021, das heißt, dem 01.07.2021. Zu diesem Zeitpunkt wird es möglich sein, als Patient mit einer gesetzlichen Krankenversicherung zwar schon E-Rezepte zu bekommen, aber auch alte Rezepte auf Papier dürfen erst einmal noch ausgestellt und eingelöst werden. Das E-Rezept kann für alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel – mit der Ausnahme von unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Arzneimittel – genutzt werden.

Stufe 2 – 01.01.2022

Ab dem 01.01.2022 gibt es nur noch E-Rezepte, jedenfalls wenn der Patient gesetzlich versichert ist und sich ein normales verschreibungspflichtiges Medikament holen möchte. Je nach technischem Fortschritt könnten auch erste private Krankenkasse ihren Patienten das E-Rezept zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stellen.

Folgestufen ab 2023

Mit der Zeit werden in weiteren Stufen auch die bislang nicht über das E-Rezept verschreibbaren Sachen wie Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), Betäubungsmittel oder Heilmittel ergänzt. In einem Vortrag neulich sprach der gematik-Projektleiter Hannes Neumann von den folgenden geplanten Terminen:
1.1.23: Betäubungsmittel-Rezepte, T-Rezepte (?)
1.1.24: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
1.7.24: Häusliche Krankenpflege, außerklinische Intensivpflege
1.7.25: Verordnung Soziotherapie
1.7.26: Verordnung Heil- und Hilfsmittel

Bis zur kompletten Umsetzung sind also, Stand heute, Stufen für die nächsten fünf Jahre geplant!

Mein Fazit

Die Einführung des E-Rezeptes finde ich sehr gut und kann es kaum erwarten! Gerade jemand wie ich, der regelmäßig „Nachschub“ seiner Medikamente und somit Folgerezepte benötigt, profitiert davon. Von der Geschwindigkeit, dass ich das Rezept vom Arzt zukünftig sofort vorliegen habe, gar nicht zu sprechen!

Weniger gut gefällt mir, dass die Anwendungen elektronische Patientenakte (ePA), der eMedikationsplan und das E-Rezept bislang nicht integriert sind. Da scheinen dann erst einmal wieder vom Nutzer beziehungsweise Patienten drei verschiedene Apps verwendet und gepflegt werden zu müssen, damit die Informationen konsistent sind und den Ärzten vollständige Informationen zur Verfügung gestellt werden können. Das kann nicht sein und eine solche Konsistenz sollte durch Integration der verschiedenen Lösungen erfolgen und nicht – als potenzielle Fehlerquelle – manuell vom Patienten erledigt werden müssen.

Alternativen

Aktuell gibt es bereits ein paar E-Rezept-Pilotprojekte. Diese sind aber nicht bundesweit gültig, sondern bei ihnen haben sich in bestimmten Regionen Anbieter und Apotheken mit Ärzten zur Nutzung jeweils eigener E-Rezept-Apps zusammengeschlossen. So gibt es das eRezept Deutschland, hinter dem verschiedene Krankenkassen als Treiber stehen, oder die eRIXa-App. Während alle Ärzte und Apotheken in Deutschland nach der Einführung der E-Rezept App der gematik primär mit dieser arbeiten werden, kann der Nutzer wahrscheinlich seine E-Rezepte aus dieser App in eine andere E-Rezept-App weiterleiten.

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