„Corona-Datenspende“ App

In den Schlagzeilen taucht aktuell eine „Corona-Datenspende“ App für Android und iOS auf. Das Startup m-Health Pioneers GmbH (auch bekannt für Thryve) hat die App für das Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelt und betreibt sie auch für das RKI.

Ähnlich zu zwei Studien an Universitäten in Kalifornien (siehe „Wearables als Frühwarnsystem für Corona?“) sammelt die App, die deshalb nur in Verbindung mit smarten Uhren oder Fitnessarmbändern genutzt werden kann, Vitaldaten des Nutzers wie etwa Puls, Körpertemperatur und Schlafdaten. So soll das Vorliegen einer Viruserkrankung wie Covid-19 erkannt werden.

Welche Daten werden verwendet

Zur Einordnung der Person ist die Postleitzahl einzugeben. Später sollen dann Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht übermittelt werden. Aber diese Daten werden noch unschärfer gemacht, also somit allgemeingültiger und weniger personenspezifisch. So werden das Alter auf fünf Jahre, die Größe auf fünf Zentimeter und das Gewicht auf fünf Kilo gerundet.

In der App muss dann das Konto des Fitnesstrackers vom Nutzer mit der App verbunden werden (siehe Bild 1), damit die von diesem Gerät oder dieser App (wie Apple Health oder Google Fit) gesammelten Daten in die Corona-Datenspende App eingelesen und ausgewertet werden können.

Folgende Daten zu Aktivitäten des Nutzers werden dabei verwendet: Sport, Schlafen und Schlafphasen, Aktivsein sowie Ruhezeiten.

Folgende Vitalwerte des Nutzers werden verwendet: Puls, Herzratenvariabilität, Stress, Temperatur, Gewicht und Blutdruck.

Bild 1: Verknüpfungen

Bild 2: Token zur Wiedererkennung

Was macht die App mit den Daten

Mit diesen Daten berechnet die App nach wissenschaftlichen Modellen täglich die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer grippeähnlichen Erkrankung wie Covid-19 für jeden Nutzer. Das Ergebnis entspricht allerdings nicht einer individuellen Diagnose für den Patienten!

Zweck ist eine „bessere Vorhersage des bundesweiten Erkrankungsverlaufs mit Covid-19“ und das tagesaktuell und auf Postleitzahlen- beziehungsweise Kreisebene. Die Ergebnisse werden anonymisiert veröffentlicht.

Und der Datenschutz?

Die Daten selber werden pseudonymisiert (also mit einem individuellen sogenannten Token pro Nutzer versehen; ohne Rückschlüsse auf Name oder Adresse, siehe Bild 2) und verschlüsselt übertragen. Die Speicherung der Daten erfolgt in Deutschland. Es erfolgt keine Weitergabe der Daten an Dritte, auch Tools wie Google Analytics und Facebook bleiben außen vor.

Über das individuelle Token jedes Nutzers, das in der App eingesehen werden kann, können auch die DSVGO-Anforderungen wie beispielsweise die Löschung aller Daten des Nutzers erfüllt werden.

Obwohl gut geschrieben und leicht verständlich sind die Datenschutzhinweise leider schlecht lesbar – sie sind in sehr kleiner Schrift veröffentlicht und somit anstrengend zu lesen! Und auch wenn sie in kleiner Schrift weniger Platz wegnimmt, so sind sie dadurch dennoch nicht kürzer!

Mein Fazit

Aus meiner Sicht ein sinnvolle Datenspende mit einer guten Realisierung. Wie gut die Auswertungen und die Daten sind, die übertragen werden, muss die Zeit zeigen.

Insbesondere die Erreichung der notwendigen Durchdringung der App, um sinnvolle Daten auswerten zu können, scheint mir problematisch zu sein. Typischerweise sind es ja gerade die sogenannten Early Adopter, die solche Apps nutzen. Für eine wirklich sinnvolle Einschätzung der Erkrankungen der Bevölkerung nach PLZ-Kreisen, müssten nach meinem Verständnis auch viele Risikopersonen, also beispielsweise ältere Menschen, die App nutzen und Daten spenden. Ob diese Personen wiederum Fitness-Tracker haben und somit teilnehmen können, erscheint mir leider fraglich.

Update (11.04.2020)

Enttäuschend! Nach dem Marketing für die Datenspende würde man erwarten, dass die veröffentlichte App-Version die Daten auch sammelt und weitergibt.

Mitnichten. Aktuell, drei Tage nach der Installation, sehe ich – trotz der verbundenen Health-App von Apple in meinem Fall – nach wie vor: „Anzahl Ihrer gespendeten Tage: 0“.

Das scheint ein Apple Health spezifisches Problem zu sein. In der jüngsten Version der App heißt es, „Verbesserung der Apple-Health-Integration“ und auch in einigen Tweets und Facebook-Gruppen lese ich von anderen Apple Health Nutzer, bei denen noch keine Daten übernommen wurden.

Update (12.04.2020)

Mittlerweile funktioniert zumindest die Datenspende und der Tageszähler. Mit der Version 1.0.4 sprang der Zähler auf „4 Tage gespendet“.

Schade nur, dass man nicht sehen kann, welche Daten konkret übermittelt und damit gespendet wurden. Zwar sind die grundsätzlich übermittelten Daten den Datenschutzhinweisen zu entnehmen, Details siehe oben in diesem Artikel, aber die konkreten Werte noch einmal anschauen zu können, hätte ich nutzerfreundlicher gefunden.

Bild 3: Datenspende-Tage

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