Hobbysportler nutzen für ihre Aktivitäten gerne Fitnessarmbänder und smarte Uhren, um ihren Trainingsfortschritt zu beobachten und dokumentieren, manchmal auch mit Freunden und Bekannten zu teilen oder gar über das Internet virtuell zu wetteifern. Aber auch wer „nur“ seiner Gesundheit zuliebe ein wenig Sport treibt, ohne hochtrabendere Ambitionen, der kann von Fitnessarmbändern und smarten Uhren profitieren, ja sogar einen besonderen Nutzen aus den gesammelten Daten für sich und seine Gesundheit ziehen. Das gilt für gesunde Menschen genauso wie für (chronisch) kranke oder ältere Menschen.

Meine Motivation

Neben meiner Eigenmotivation, die mich dieses Jahr nach einem kurzen Hoch Anfang Mai mittlerweile wieder „im Stich“ gelassen hatte, wurde ich an meine Vorsätze zum Thema „regelmäßig Sport treiben“ durch die alljährliche Vorsorgeuntersuchung beim Kardiologen daran „schmerzhaft“ erinnert.

Nun bin ich chronisch krank und muss seit mehr als einem Dutzend Jahre regelmäßig zahlreiche Medikamente nehmen, die sich sicher auch auf meinen Allgemeinzustand und meine Fitness auswirken. Die schlechten Untersuchungsergebnisse (oberer Blutdruckwert bis 240mmg beim Belastungs-EKG) schob mein Kardiologe jedenfalls lediglich meinem „fehlenden Sport“ zu.

Aber stimmt das so, werden der Blutdruck und der Puls besser (also nicht so hoch ansteigen), wenn ich regelmäßig meinen Körper belaste, das heißt trainiere? Der Kardiologe sagt, dass „ansonsten alles in Ordnung ist“ und wir uns in einem Jahr zur nächsten Vorsorgeuntersuchung wiedersehen. Das war es (zumindest aus seiner Sicht).

Das ist mir für meine Gesundheit zu wenig – ich will nicht nur meine Fitness stärken und etwas für das Herz tun, sondern auch die Ergebnisse sehen und beobachten, ob beziehungsweise dass sich das auf Blutdruck und Puls auswirkt. Und das nicht erst in einem Jahr beim nächsten Belastungs-EKG.

Gesagt, getan, Utensilien wie ein Smartphone mit entsprechenden Apps und eine Uhr zur Pulsmessung habe ich sowieso schon – also starte ich ein regelmäßiges Training mit dem Fahrrad und schaue, wie sich die Geräte schlagen und mir helfen, meine Fitness beziehungsweise ihre Besserung zu beobachten.

Heute im Test: die App Endomondo und Apple Watch

Eine einfache – für einfaches Tracken – kostenlose App, die für verschiedene Sportarten die Trainingsdauer, Zeit, Strecke und verbrauchten Kalorien aufzeichnet, ist Endomondo. Mir gefällt insbesondere auch die einfache Nutzung, die auf der Apple Watch möglich ist, da es dafür eine eigene App-Version gibt. So höre ich beim Radfahren Hörbücher oder Musik und habe das Handy in einem „Oberarmbeutel“, der die Bedienung auf dem Handy selber schwer macht. Lautstärke und Start/Stop der Musik können über den Kopfhörer geregelt werden. Start, Pause und Stopp der Trainingsaufzeichnung in Endomondo ganz einfach auf der Watch:

Bild 1: Apple Watch

Bild 2: Apple Watch

Bild 3: Apple Watch

In Bild 1 sieht man die Anzeige auf der Apple Watch vor dem Start des Trainings, in diesem Fall allerdings Gehen und nicht Radfahren. Mit dem Zahnrad der Uhr läasst sich einfach ändern und auswählen, welche Sportart nun aufgezeichnet beziehungsweise gestoppt werden soll.

Mit einem Druck auf den grünen Button „Starten“ darunter, beginnt die Aufzeichnung. Während des Trainings bekommt man beim Blick auf die Uhr die Dauer (9 Minuten, 44 Sekunden), bislang zurückgelegte Distanz (0,68 km) und durchschnittliche Geschwindigkeit (13:44 Minuten pro km) angezeigt, siehe Bild 2. Wenn man dann am Zahnrad dreht, erscheint, wie auf Bild 3 dargestellt, unterhalb der Distanz und durchschnittlichen Geschwindigkeit der grüne Button „Unterbrechen“, mit dem man eine Pause oder das Ende des Trainings definieren kann.

Gesammelte Daten

Bild 4: Apple Watch

Die über Endomondo gesammelten Daten stehen zentral in einer Cloudplattform zur Verfügung. Die wesentlichen Ergebnisse können aber auch direkt nach dem Training auf der Apple Watch angesehen werden, siehe Bild 4: die Dauer des Trainings (9.58 Minuten), die zurückgelegte Distanz (0,68 km) und die durchschnittliche Geschwindigkeit (14:45 Minuten pro km). Ebenfalls angezeigt werden für meine „Gesundheitsmotivation“ wichtige und interessante Daten: die durchschnittliche Herzfrequenz (115 Schläge pro Minute) und die verbrauchten Kalorien (97 kcal).

Allerdings: wie in „Stanford University testet Fitnessarmbänder“/a> berichtet, sind die angegebenen Kalorienzahlen mehr oder weniger unbrauchbar oder zumindest mit großer Vorsicht zu geniessen. Etwas, was ich hier selber feststellen konnte: ohne wesentliche Veränderung von eingegebenen Daten wie Gewicht oder ähnlichem habe ich für ein und dieselbe Strecke (5,52km) laut Endomondo-App am 12.6.17 einmal 398 kcal und am Folgetag 162 kcal bei Trainingszeiten von 26.43 Minuten beziheungsweise 24:41 Minuten verbraucht.

Beim Zugriff auf die Cloud-Plattform von Endomondo mit der App auf dem Handy oder über den Webbrowser (www.endomondo.de) werden weitere Daten wie zum Beispiel die gefahrene (oder bei Joggern gelaufene) Strecke auf einer Karte dargestellt, siehen Bild 5 (App-Ansicht). Wenn man in der App dann weiter herunterblättert, wie in Bild 6 zu sehen ist, werden zahlreiche weitere Detaildaten angezeigt (Hinweis: diese Screenshots sind einem anderen Training mit dem Fahrrad entnommen).

In Ergänzung zu bereits auf der Watch sichtbaren Daten wie Dauer (in diesem Beispiel: 24:41 Minuten) und Distanz (5,53 km) sind hier auch das durchschnittliche Tempo (4:28 Minuten) und das maximale Tempo (2:50 Minuten) für einen Kilometer angegeben, die durchschnittliche (13,5 km/h) und die maximal erreichte Geschwindigkeit (21,2 km/h) im Training und neben dem Kalorien- (132 kcal) auch der Flüssigkeitsverbrauch (0,31 Liter) des Gesamttrainings.

Bild 5: Endomondo-App

Bild 6: Endomondo-App

Bild 7: Endomondo-App

Ferner erscheint auch der Bereich, in dem sich mein Puls (gemessen mit der Apple Watch) bewegte, im Beispiel zwischen 90 und 152 Schlägen die Minute in der Endomondo-App. Die Angabe vom Minimalwert 90 ist allerdings eher irreführend: wenn man in die gemessenen Einzeldaten der Apple Watch selber reinschaut (siehe Bild 8), erkennt man schnell, dass es sich hierbei um den Ruhepuls vor dem Training (Start um 19:22 Uhr) handelt und im Training selber Werte zwischen 139 und 152 gemessen werden (nicht alle gemessenen Werte sind hier dargestellt). Dafür wäre hilfreich, wenn der zweite dargestellte Wert (der durchschnittliche Puls im Training) angegeben würde. Ich vermute, dafür benötigt die App aber einen HF-Brustgurt und ein kostenpflichtiges Upgrade, wie sie anzeigt.

Bild 8: Apple Health

Zwischenzeiten für einzelne Runden (hier jeweils in einzelne Kilometer aufgeteilt) werden, siehe Bild 7, in der App Endomondo ebenfalls angezeigt wie die durchschnittliche Geschwindigkeit je Runde beziehungsweise Kilometer.

Da ich die Daten der Endomondo App für die Apple Health App freigegeben habe (wie ebenso natürlich die der Apple Watch), wird in Apple Health automatisch (ohne dass ich irgendeinen Knopf gedrückt oder etwas anderes gemacht habe) das Training als entsprechende Tätigkeit / Sport getrackt, wie man in Bild 9 an den beiden Balken für den 12.6.2017 und den 13.6.2017 (für den die Herzschlagfrequenz in Bild 8 dargestellt war) sieht.

Bild 9: Apple Health

Auswertungen

Leider geht es nun nicht automatisch Auswertungen oder Vergleiche zwischen verschiedenen Trainings zu machen, jedenfalls nicht so, wie ich es mir vorstelle. Ist die Antwort auf die Frage, ob ich zum Beispiel die Strecke heute schneller als gestern zurückgelegt habe, noch einfach abzulesen und zu interpretieren (quasi als Sichtvergleich der beiden Zeiten bei gleicher Strecke), so ist eine Entwicklung über eine längere Zeit aber nicht einfach abzurufen. Dabei habe ich hat keine speziellen Anforderungen, es würden mich anfänglich erst einmal nur folgende Antworten (exemplarisch) interessieren:

  • Bin ich heute im Training im Durchschnitt schneller (Geschwindigkeit und Zeit für die Trainingsstrecke) im Vergleich zum Beginn der regelmäßigen Trainings nach der Winterpause vor 8 Wochen gefahren?
  • Insbesondere als chronisch kranker Mensch, der das Training seinem Herzen zuliebe macht: ist der Bereich der Herzfrequenz während des Trainings gesunken, die Belastung für das Herz also geringer und habe ich so eine positive Wirkung für mein Herz und meine Fitness erreicht?

Fazit

Grundlegenden Fitnessdaten sind mit einem Handy und einer smarten App oder einem Fitnessarmband schnell gesammelt. Um nicht bis zur nächsten Vorsorgeuntersuchung bei meinem Kardiologen warten zu müssen, reichen aber anscheinend mit dem gegebenen Equipement die Informationen und Auswertungen, die per se zur Verfügung gestellt werden, nicht aus. Insofern werde ich mich mit der Erstellung einer eigenen Auswertungsmöglichkeit oder anderen Apps beschäftigen und hier auch darüber berichten.

Die in den Screenshots zu sehende Werbung am unteren Ende der Anzeige verschwindet übrigens bei Verwendung, das heißt Bezahlung, eines Premium-Accounts für Endomondo.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.