HelloBetter Stress & Burnout

HelloBetter heißt eine Reihe von digitalen Medizinprodukten für psychische Erkrankungen, die von der GET.ON Institut für Online Gesundheitstrainings GmbH entwickelt und angeboten wird.
 
Insgesamt fünf verschiedene HelloBetter Anwendungen sind bereits als DiGA, also App auf Rezept zugelassen, in diesem Artikel geht es um die Anwendung Stress & Burnout. Weitere sind übrigens für/gegen Panik, chronischen Schmerz, Vaginismus und Diabetes & Depression.
 

HelloBetter Stress & Burnout

HelloBetter Stress und Burnout ist ein interaktives, psychologisches Online-Therapieprogramm. Es ist für Patienten mit einer Erschöpfungs- und Überlastungssymptomatik, dem Namen nach also insbesondere bei Burnout-Symptomen oder einer hohen Stressbeanspruchung.

HelloBetter Stress & Burnout basiert dabei auf bewährten Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) und bietet eine vollwertige Burnout-Soforthilfe.

Der Online-Kurs besteht aus

  • sieben (rund einstündigen) wöchentlich zu absolvierenden Einheiten sowie
  • einer einzelnen, ab vier Wochen nach Kursende zu benutzenden Auffrischungseinheit
Die Einheiten selbst tragen die Titel:
* Stress verstehen
* Probleme bewältigen
* Am Ball bleiben
* Entspannen lernen
* Gefühle akzeptieren
* Mich selbst unterstützen
* Meine Zukunft planen
* Auf Kurs bleiben (Auffrischungseinheit)
Der Kurs dauert also rund 12 Wochen (7 Wochen lang je eine Lektion, dann vier Wochen Pause, dann eine Woche Auffrischungslektion). Der Zugriff auf die Lektionen ist allerdings sogar 12 Monate lang möglich.

Die verschiedenen Einheiten des Kurses bestehen aus anschaulich und interaktiv gestalteten Texten, Videos und Audios, die durch praktische Übungen ergänzt werden. Die Startseite mit dem Hauptmenü ist schön aufgeräumt, siehe Bild 1.

HelloBetter Stress & Buronout - Startseite
Bild 1: Startseite HelloBetter Stress & Burnout

Inhalte

Die Therapie beginnt für den Nutzer mit einem validierten Fragebogen, dem Symptom-Check. In ihm geht es um Gefühle, Gedanken und Probleme des Nutzers im Verlauf der letzten 14 Tage, zum Beispiel:
–       Ob man rastlos ist, so dass Stillsitzen schwer fällt,
–       wenig Interesse oder Freudigkeit an seinen Tätigkeiten hat
–       oder Müdigkeit oder das Gefühl, keine Energie zu haben, hat.

Als Ergebnis seiner Antworten bekommt der Nutzer drei grobe Werte, nämlich jeweils wie ausgeprägt die Angst, der Stress und die Depression bei ihm sind beziehungsweise sich aus seinen Antworten einschätzen lassen.

Dieser Symptom-Check kann in zweiwöchigem Rhythmus absolviert und so die Entwicklung der Symptome während der Therapie (und damit ihr Fortschritt) beobachtet werden.

HelloBetter Kursbildschirm
Bild 2: Kursseite HelloBetter Stress & Burnout
Kern der Therapie ist die Erkenntnis, dass zwischen Stress und Stressreaktion ein subjektiver Bewertungsprozess liegt. Dieser umfasst
* die primäre Bewertung des Stresspotentials einer Situation und anschließend
* die sekundäre Bewertung der Bewältigbarkeit der Situation auf Grundlage persönlicher Ressourcen.
 
In der Folge komme es zu einer Stressreaktion (nur), wenn ein Reiz als stressend und die eigenen Ressourcen als nicht ausreichend bewertet werden.
Dabei können alle Stressfaktoren und Probleme in eine von nur zwei verschiedene Arten einsortiert werden:

  • Für vom Patienten lösbare Probleme lernt der Nutzer in der App die sogenannte Problemlösungsstrategie beziehungsweise den 6-Schritt-Problemlöseplan, bei dem versucht wird, die Situation durch aktives Handeln anzupassen.
  • Für vom Patienten nicht lösbare Probleme wird ihm in HelloBetter Stress & Burnout eine Strategie namens Emotionsregulation beigebracht, die den Umgang mit unlösbaren Problemen und belastenden Gefühlen erleichtern soll, zum Beispiel durch Übungen wie der Progressvien Muskelentspannung nach Jacobson.

So lernt man nach und nach die persönliche Situation, die aktuellen Probleme und Herausforderungen zu reflektieren und die Lebenssituation systematisch zu verbessern. Die in die App im Lauf der Therapie eingegebenen Daten und somit auch die gewonnenen Erkenntnisse sind anschließend jederzeit wieder abrufbar oder sogar auszudrucken.

Über das enthaltene digitale Stresstagebuch können Patienten täglich zum Einen ihre Stimmung und zum Anderen den Stresslevel festhalten. So soll die Selbstwahrnehmung gesteigert und der Therapiefortschritt beobachtet werden.

Was ich Interessantes gelernt habe: „Bei depressiven Menschen sind die Bereiche, die für positive Emotionen zuständig sind, kleiner geworden und die Bereiche, die für negative Emotionen und Stress zuständig sind, größer geworden.
Das heißt: Nervenzellen funktionieren genau wie Muskeln. Wenn man sie trainiert, werden sie stärker.“

Interessante Wahlmodule mit der Länge von 10 bis 15 Minuten sind unter „Kurs – optional“ zu finden, beispielsweise Zeitmanagement, Ernährung und Bewegung oder Schlafhygiene.

Hilfreich sind drei sogenannte Trainingspartner, die den Nutzer durch die gesamte Therapie begleiten. Sie sind fiktive Figuren, die jeweils an – aus unterschiedlichen Gründen – Stress- beziehungsweise Burnout Symptomatik leiden. Der Nutzer kann zu den Fragen, die er für seine Situation beantworten muss, die Antworten der drei Trainingspersonen lesen und bekommt so hilfreiche Beispiele für seine Beantwortung, siehe Bild 3.

Richtig gut finde ich auch die sehr umfangreiche Kraftgeberliste. Mit ihr soll der Nutzer Aktivitäten und Situationen finden und aussuchen, die ihm Kraft geben können. Die Kraftgeberliste kann nach bestimmten Eigenschaften gefiltert werden (zum Beispiel: „Zuhause“ oder „Bewegung“) und man bekommt aus der Vielzahl der enthaltenen Kraftgeber anschließend eine zu den eingegebenen Filtern passende Vorschlagsliste an möglichen Aktivitäten! Eine prima Unterstützung, die garantiert Anstöße für neue Erfahrungen enthält!

HelloBetter Kursbildschirm
Bild 3: Beispiel Trainingspartner

Echte psychologische Betreuung

Klasse: Jedem Betroffenen steht jederzeit, insbesondere in Krisensituationen, ein persönlicher, geschulter Psychologe / Psychotherapeut von HelloBetter zur Seite. Diese/r gibt Rückmeldungen zum Fortschritt, steht über eine Nachrichtenfunktion für Fragen zur Verfügung und soll auftretende Krisen schnell erkennen und bei der Bewältigung helfen.

Gut gefällt mir auch. dass auf Hilfsangebote.pdf (einem sechsseitigen pdf, das mitgeliefert wird) verschiedene Links angegeben sind, wo der Nutzer Hilfe suchen kann, wenn er welche benötigt.

Technik

HelloBetter Stress & Burnout ist ein im Browser zu verwendendes Programm. Zur Nutzung der mobilen Komponente wird die HelloBetter-Begleit-App empfohlen.
 
Trotz der Warnung, dass HelloBetter Stress & Burnout nicht zur Nutzung mit mobilen Browsern geeignet ist, habe ich weite Teile der Anwendung zumindest auf einem kleinen iPad absolviert. Bis auf ein, zwei Probleme bei „Schiebe-Quizzes“ gab es kein Problem und ich fand die Bearbeitung durchaus bequemer als am Schreibtisch / Laptop!

Mein Fazit

HelloBetter Stress und Burnout ist eine schnelle Lösung für Stress und Burnout-Belastung, zum Beispiel wenn man sonst monatelang auf einen Therapieplatz warten müsste. Ich kann mir die Nutzung übrigens auch schon als präventive Hilfe gut vorstellen, wenn man merkt, dass man überlastet wird – nicht erst, wenn das Kind sozusagen in den Brunnen gefallen ist!

Die Benutzung der Anwendung ist intuitiv und macht Spaß.
 
Wirklich klasse finde ich die Möglichkeit meine Daten, die ich im Verlauf der Therapie erarbeitet und in die Anwendung eingegeben habe, auszudrucken. Das ist ein sehr wertvolles Skript, welches im Alltag den Betroffenen aus meiner Sicht richtig gut helfen kann: Unter Dashboard / Profil findet man ganz unten die Möglichkeit Daten zu exportieren. Dabei sind augenscheinlich alle Antworten, die man im Verlauf der Therapie gegeben hat, enthalten.

Für die Digitales Gesundheitswesen GmbH habe ich einen sogenannten DiGA-Check zu dieser Anwendung durchgeführt. Das Video gibt es unter DiGA-Check HelloBetter Stress & Burnout.

1 Kommentar

  1. Olaf

    Nicht vollständig mobil Browser fähig. Wie kann man diese Entscheidung heute noch treffen. Viele Betroffene haben heute doch kein anderes Device mehr.

    Antworten

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