Für die Gesundheit gibt es hunderttausende Apps in den verschiedenen App-Stores von Apple und Google, weltweit alleine zehntausende von Diabetes-Apps. Aber wie soll man unterscheiden, welche Angebote seriös und verlässlich sind – und welche eher minderer Qualität und zu meiden sind? Noch gibt es hierzulande keine offizielle Stelle, die Apps systematisch und unabhängig prüft.

Im Bereich Diabetes wurde nun ein erster Schritt in Richtung Zertifizierung für zuverlässige Apps gegangen. Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie (AGDT) der Deutschen Diabetes Gesellschaft hat dafür die Webseite DiaDigital.de erstellt.

Der auf die Apps angewendete, zur Erlangung des Zertifikats Diabetes-spezifische Kriterienkatalog wurde aus einem europäischen Kriterienkatalog und den Ergebnissen der Charismha-Studie („Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps) abgeleitet. Zu den nach eigener Aussage wichtigsten Kriterien zählt dabei, ob die App einfach und intuitiv bedienbar sowie barrierefrei ist und sie ihr eigenes formuliertes medizinische Ziel erfüllt. Ferner ist für Medizinprodukte eine CE-Zertifizierung Voraussetzung.

Als sehr positiv finde ich den Aspekt, dass Wert darauf gelegt wird, dass nicht nur Behandler, sondern insbesondere auch die Sicht der Patienten in die Bewertung der Apps und damit die Siegelvergabe einfließen. In Summe 50 Betroffene und Behandler haben sich bisher als Tester angemeldet und an folgende vier Apps das Zertifikat beziehungsweise Siegel vergeben:

  • Omnitest Diabetes Tagebuch von B. Braun Melsungen AG in der Kategorie „Diabetestagebuch“
  • SiDiary von Sinovo GmbH & Co. KG in der Kategorie „Diabetestagebuch“
  • MyTherapy von der smartpatient GmbH in der Kategorie „Therapieunterstützung“
  • Broteinheiten / BE Rechner PRO von Jommi Online in der Kategorie „Therapieunterstützung“

Der Aufbau der Webseite DiaDigital.de ist übersichtlich und gefällt mir grundsätzlich gut. So gibt es eine eigene Unterseite für die bereits zertifizierten Apps, auf denen das App-Symbol, der Hersteller, eine kurze Zusammenfassung der App und die Links in die entsprechenden App-Stores enthalten sind. Allerdings könnte man aus meiner Sicht die kurze Beschreibung der einzelnen App noch übersichtlicher gestalten: Halbsätze und Aufzählungen wechseln sich ab, sind aber mangels Aufzählungsstrichen schlecht zu unterscheiden, die Übersicht geht verloren.

Die Zertifizierung

Zur Erlangung der Zertifizierung muss sich der App-Anbieter bei DiaDigital melden und eine dreiseitige Selbstauskunft abgeben. Darin sind wesentliche Daten zum Geschäftsmodell der App enthalten (Kostet sie etwas? Ist Werbung enthalten? Gibt es Support für die App? Wie oft werden Updates veröffentlicht?).

Angaben zur Einstufung als medizinisches Produkt, ISO-Zertifikat für medizinische Software, Maßnahmen zur Barrierefreiheit, der Link auf die Nutzungsbedingungen und die Interaktions-Möglichkeiten für den Nutzer mit der App beschreiben die technischen Aspekte der App, zu denen Auskunft gegeben werden muss. Vorbildlich: es sind auch Fragen zum Umgang mit den Benutzerdaten zu beantworten, darunter Fragen zur Weitergabe, Übermittlung und Verschlüsselung der Daten sowie zu einer potenziellen Cloudspeicherung.

Das Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH (ZTG) überprüft die App auf Technik und Datenschutz. Dabei liegt der Fokus für den Bericht des ZTG auf den folgenden Bereichen:

  • Verschlüsselung des Datentransfers, insbesondere von sensiblen Daten des Benutzers und Passwörtern
  • Downloadmöglichkeit und Funktionsfähigkeit auf den angegebenen Betriebssystemplattformen (Android und iOS)
  • Standorte, an die – insbesondere sensible – Daten übertragen werden, das heißt unter welche (Datenschutz-) Gesetze die gespeicherten Daten fallen
  • Bedrohung durch Viren und andere Schadprogramme
  • Übereinstimmung der festgestellten Eigenschaften der Software aus den obigen Punkten mit den in den AGB’s der Anbieter angegebenen Informationen

Nach der Veröffentlichung des Berichts vom ZTG können sich die auf der Plattform registrierten Benutzer als Tester selber ein Bild von der App machen. Abschließend gibt es eine gemeinsame Telefonkonferenz, die für alle Tester offen ist und in der in einem gemeinsamen Fazit festgestellt wird, ob die App alle anzulegenden Kriterien erfüllt und das Siegel erhält.

Gut gefällt mir, dass diese für das Siegel notwendigen Dokumente, also der Ergebnisbericht des ZTG und die Selbstauskünfte der App-Hersteller auf der Webseite von DiaDigital als „weitere Informationen“ für jeden abrufbar sind.

Betreiber von DiaDigital sind:

  • diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
  • Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) e.V.www.menschen-mit-diabetes.de
  • DDG Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
  • VDBD Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (www.vdbd.de)

Mein Fazit

Eine gute Initiative, die Vorbild für weitere Gesundheitsbereiche sein sollte. Besonders gefällt mir der Ansatz eine gemeinsame Bewertung von Behandler und Patienten zur Zertifizierung verwenden, ergänzt um eine technische Analyse und Bewertung eines Instituts wie dem ZTG.

Aber auch Verbesserungspotenzial sehe ich: so ist die Beschreibung der Apps mit Zertifikat nach meinem Verständnis unübersichtlich – und bei allem positiven Effekt, dass diese Apps eine Zertifizierung haben: idealereise sollte irgendwo kurz zusammengefasst stehen, wofür das Zertifikat steht und welchen Nutzen der Patient durch die erfolgreiche Prüfung hat beziehungsweise auf welche Eigenschaften der Apps er sich deshalb verlassen kann.

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