Medisafe – Apps für die Medikamenteneinnahme

Zur Erinnerung und Dokumentation der regelmäßigen Einnahme meiner Medikamente nutze ich momentan die App Medisafe von der gleichnamigen amerikanischen Firma Medisafe Inc. Daneben habe ich als wirklich smarten Gesundheitshelfer in diesem Kontext nur die App MyTherapy des deutschen Unternehmens smartpatient GmbH gefunden. Beide Apps gibt es für Android und iOS, sie haben ihre individuellen Stärken und Schwächen – in diesem Artikel geht es jetzt aber um die App Medisafe, die ich auf einem iPhone, also mit iOS nutze. Der Artikel gibt wahrscheinlich nicht alle Funktionen und Möglichkeiten wieder – aber er ist mein persönlicher Erfahrungsbericht als jemand, der die Hilfe einer solchen App zu nutzen und schätzen weiß.

Medikamenten-Apps funktionieren ähnlich wie Weckfunktionen auf dem Handy, bloß die Weckzeiten werden mit den zu nehmenden Medikamenten verbunden. So auch Medisafe: hier startet man mit der Eingabe der Medikamente in die App (Wie heißt das Medikament? Welche Dosierung hat es?), sollte es unterschiedliche Dosierungen desselben Medikaments, das einzunehmen ist, geben, so gebe ich das Medikament zweimal ein, mit jeder Dosierung einmal. Anschließend wird definiert, wann das Medikament genommen werden muss. Also beispielsweise „täglich morgens um 9 Uhr“ oder „morgens und abends täglich um 10 Uhr und 22 Uhr“ oder „einmal wöchentlich am Montag morgen um 8 Uhr“. Als Ergebnis wird das Handy zu den jeweils angegebenen Zeiten einen Warnton oder Weckruf von sich geben, um an die Einnahme zu erinnern. In welcher Form das genau geschieht, das ist von App zu App verschieden.

Zur Eingabe des Medikamentenplanes in die App Medisafe:

  • pro – einfache Eingabe der Medikamente
  • pro – Prüfung der Eingaben gegen ein „offizielles Medikamenten-Verzeichnis“
  • pro – bei fehlendem Eintrag im Medikamenten-Verzeichnis akzeptiert die App auch eine eigene Eingabe (zum Beispiel wurde Decostriol nicht erkannt, aber nach Bestätigung von mir als Medikament akzeptiert)
  • pro – schöne verschiedene Visualisierungen der Medikamente möglich: Form und Farbe werden vorgeschlagen und können verändert werden
  • pro/contra – es ist zwar die Anzahl von Tabletten je Einnahmezeitpunkt einzugeben, allerdings jeweils nur ganze Werte. Achtung: Eine Eingabe wie zum Beispiel eine halbe Tablette Prednisolon 5 mg kann nur über den Umweg „Prednisolon 2,5mg“ eingegeben werden. Das bedeutet, dass man später stark aufpassen muss, wenn das Medikament tatsächlich 5 mg hat, man als Umweg aber 2,5 mg eingetragen hat und so nur eine halbe Tablette des 5 mg Medikamentes anstatt der eingetragenen ganzen 2,5 mg Tablette nehmen muss.
  • pro – beliebige Intervalle zwischen den Einnahmen eingebbar (ein wenig schwierig zu finden, wie man das Startdatum eingibt, wenn es nicht der aktuelle Tag ist)
  • pro – Essenhinweise zur Einnahme definierbar (vor, während oder nach dem Essen oder Freitext)
Medikamenteneinnahme - Medikamentenübersicht

Es können bei entsprechenden Einstellungen auf dem Handy Erinnerungen auf dem Sperrbildschirm angezeigt werden. Eine tolle Sache, die mir gut gefällt, insbesondere, wenn man auch die Möglichkeiten mit der App auf der Apple Watch berücksichtigt, doch dazu später. Bei Medisafe wird auf dem Sperrbildschirm allerdings leider nur angezeigt, dass es Zeit ist Medikamente zu nehmen. Der Nutzer muss dann das Handy entsperren und in die App selber gehen, um das konkrete Medikament und seine Dosierung nachzusehen beziehungsweise die Einnahme zu bestätigen. Auch auf dem Bildschirm des Handys wird bei der Sicht auf die verschiedenen Apps klar, wenn noch Medikamentennahmen offen sind – dargestellt wird das (analog zum Beispiels von neuen Mails oder Nachrichten in iOS) mit einem roten Kreis an der App rechts oben.

Medikamenteneinnahme - Medikamentenübersicht

Bilderläuterungen:

  • oben rechts: Ausschnitt eines Medikamentenplanes auf dem iPhone, unabhängig von Einnahmezeitpunkten
  • links: aktuelle Übersicht über zu nehmende Medikamente eines Tages – bei mit grünem Haken versehenen Medikamenten ist die Einnahme erfolgt, die anderen sind noch nicht eingenommen. Die Darstellung der einzelnen Medikamente (Form und Farbe) kann vom Nutzer für diese Übersicht beliebig definiert werden.
  • rechts: Detailübersicht eines Tages inklusive der Uhrzeiten, zu denen die Einnahme beziehungsweise die Dokumentation der Einnahme des Medikamentes erfolgte
Medikamenteneinnahme - Medikamentenübersicht

Gut gefällt mir bei Medisafe, dass es weitere Erinnerungen gibt, wenn die Medikamente nicht eingenommen wurden (bzw. nicht als „eingenommen“ in der App eingegeben wurden). Es gibt eine zweite Erinnerung nach 10 Minuten, anschließend noch eine dritte und letzte Erinnerung nach weiteren 10 Minuten.

Es können übrigens sogenannte „Medfreunde“ in der App definiert werden, an die eine Nachricht geschickt wird, wenn die Einnahme der Medizin (wahrscheinlich nach der obigen dritten und letzten Erinnerung) nicht quittiert wird. Dazu muss aber der Medfreund auch die Medisafe App heruntergeladen haben und die Daten des Patienten mit einer Kennung auf der Cloudplattform gespeichert sein. Ist das alles erfolgt, dann bekommt der Medfreund eine Push-Nachricht in seiner App, wenn der Patient die Medikamenteneinnahme nicht bestätigt hat.

Das Quittieren der Eingabe der genommenen Medikamente erfolgt durch den Druck auf „Take Pill“, aber was irritiert: aus der dann gezeigten Maske kommt man nur mit der Anzeige „abbrechen“ links oben heraus – einen anderen Abschluss gibt es nicht. Die getätigten Eingaben wurden aber schon vorher fehlerfrei gespeichert, mit „abbrechen“ hat die Funktion also nichts zu tun.

Weitere Eigenschaften der App:

  • pro – Es kann die Anzahl vorhandener Tabletten eingegeben sowie definiert werden, wie viele Tabletten vor der letzten Tablette der Nutzer eine Erinnerung bekommt, ein neues Rezept zu besorgen („bei nur noch 5 Tabletten erinnern“), eine klasse Funktion.
  • pro/contra – es gibt eine Rubrik „Aktuelles“, in der verschiedene Informationen durchgesehen werden können, dabei erscheinen auch aus der in die App eingegebenen Daten spezifische Informationen zum Beispiel zu den einzunehmenden Medikamenten. Dies erfolgt allerdings zum Testzeitpunkt (August 2016) bunt gemischt in englischer und deutscher Sprache
  • contra – leider können keine Fotos für das Medikament zur Wiedererkennung aufgenommen werden, es bleibt immerhin bei der Eingabe von beliebigen Formen und Farben je Medikament

Medisafe bietet übrigens auch die Möglichkeit auf der Apple Watch Erinnerungen anzuzeigen, welches ich gerne benutze und wofür ich insbesondere in beruflichen Besprechungen oder unterwegs dankbar bin – ein kurzer unauffälliger Blick zur Uhr sagt, dass Tabletten zu nehmen sind. Achtung: leider wird bei einer Erinnerung auf der Watch von Medisafe aber – analog dem Handy – nur gesagt, dass die Medizin einzunehmen ist und man dafür in die App gehen soll. Es wird nicht direkt auf der Uhr angezeigt, welche Medikation zu nehmen ist.

Tippt man auf der Apple Watch aber auf die Erinnerung zur Medikamenteneinnahme, dann öffnet sich die App auf der Watch und zeigt die zu nehmenden Medikamente mit Dosierung an. Tippt man im nächsten Schritt nun auf das Medikament, dann kann man dort die erfolgte Einnahme dokumentieren. Die Einnahme wird auf der Watch ebenfalls mit einem grünen Haken versehen, sodass man leicht sieht, welche Medikamente eingenommen und welche noch offen sind (siehe linke Abbildung). Die so erfolgten Eingaben werden dann natürlich in die App auf dem Handy zurückgespiegelt.

Auf der Watch kann man die App auch explizit über den Homescreen aufrufen, dort wird dann automatisch der Plan mit allen Medikamenten in alphabetischer Reihenfolge sowie dem letzten Einnahmedatum angezeigt, siehe Bild rechts oben.

Alternativ kann man auch auf der Apple Watch „Todays Meds (heutige Medikamente)“ aufrufen und bekommt über den gesamten Tag nach Uhrzeiten sortiert alle Medikamente mit Form, Farbe und Dosierung (mit Angabe der Anzahl der Tabletten) und mit dem Status „eingenommen=grüner Haken“ dargestellt. Darüber kann dann auch die Eingabe der Einnahme erfolgen (zum Beispiel auch zu einem früheren Zeitpunkt), die fehlerfrei in die App auf dem Handy synchronisiert wird.

Die in die App eingegebenen Daten werden bei Medisafe Inc. in einer Cloudplattform gespeichert. Das wird auf der Datenschutzseite der App gut und verständlich erklärt – allerdings in englischer Sprache. Die Daten sind dabei anonymisiert über eine Nummer eindeutig der App-Installation zuzuordnen, eine Eingabe von Name und Mailadresse sind kein Muss für die Nutzung der App. Eine fehlende Registrierung beim Hersteller scheint keinen reduzierten Funktionsumfang zur Folge zu haben.

Achtung: die Lesbarkeit ist aufgrund der kleinen Schrift unter Umständen für Nutzer anstrengend – mir gefällt das übersichtliche Bild sehr gut, aber für schlechter sehende Menschen ist die App MyTherapy besser geeignet. Ebenfalls zu beachten ist, dass die App in weiten Teilen in englischer Sprache ist.

Mein Fazit: Viel Zusatznutzen zum Papierausdruck mag eine solche App nicht bringen – wenn aber die Medikation umgestellt wird und man sich an neue Medikamente oder Zeiten gewöhnen muss, dann hilft sie. Vielleicht nehme ich die Tabletten gar nicht konsequenter als vorher – aber um dem Gewöhnungseffekt vorzubeugen („habe ich die Eingangstür – wie immer -zugeschlossen?“ beziehungsweise in diesem Fall „habe ich die Tabletten – wie immer – genommen?“) hilft die App deutlich das Gewissen zu beruhigen, dass ich nichts vergessen habe. Und so schlafe ich mit dieser App jetzt ruhiger und nutze sie konsequent.

Was sind Ihre Erfahrungen? Nutzen Sie Papier und Bleistift? Wenn Sie eine App nutzen sollten, welche?
Über Rückmeldungen in den Kommentaren unten oder bei Facebook würde ich mich freuen!



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