Aus Withings wird Nokia – und sonst ändert sich nichts? Hier kommt Teil 2: „Die App“. In Teil 1 habe ich die Auswertungen für den Blutdruck und die neue Webseite Nokia Health behandelt.

April 2017 hat Nokia das Unternehmen Withings übernommen und in den letzten Tagen die Umsetzung gestartet. Dazu gehören unter anderem neue Erscheinungsbilder in den Apps und der Webseite. In diesem Artikel schaue ich auf die Health Mate App, die als Zentralisationspunkt auf dem Handy für die von den (ehemals Withings-, nun) Nokia-Geräten gesammelten Daten verwendet werden kann.

Das Menü am unteren Rand

Die Menüzeile, rechts in Bild 0 zu sehen (sowie in den anderen Bildern jeweils am unteren Rand des Bildschirms) besteht aus fünf Menüpunkten, die hier kurz der Reihe nach von links nach rechts erklärt werden:

Bild 0

  • Das „skizzierte Haus“ ganz links steht für die Timeline, in der alle gemessenen Werte in der zeitlichen Reihenfolge angezeigt werden, weitere Erklärungen siehe unten
  • Das „beschriebene Blatt Papier“ an der zweiten Stelle von links steht für das Dashboard, bei dem alle Vitalwert-Kategorien (also zum Beispiel: Gewicht, Blutdruck, …) mit dem jeweils letzten Messwert angezeigt werden, weitere Details siehe unten
  • Der „Stern“ enthält im wesentlichen Ankündigungen für neue Programme, Geräte und Tipps von Nokia zu verschiedenen Gesundheitsthemen aus dem Nokia Health Programm
  • Die „Uhr in der Verpackung“, zweite Stelle von rechts, listet alle mit dem Handy gekoppelten Geräte mit fotografischer Darstellung, Ladezustand und weiteren Informationen und Anleitungen auf
  • Die „skizzierte Person“ ganz rechts enthält die persönlichen Daten des Nutzers, Zusammenfassungen bestimmter Werte, die erreichten Badges als Belohnungen für zurückgelegte Schrittanzahlen und vieles mehr

Die Startseite der App: die Timeline

Die Startseite der App entspricht der alten Timeline (siehe Bild 1), also einer Aufzählung aller Messungen mit Nokia- beziehungsweise Withingsgeräten in zeitlicher Abfolge. Leider bedeutet das, dass nicht notwendigerweise auf einen Blick alle relevanten Werte ersichtlich sind – so versuche ich am Tag dreimal Blutdruck zu messen, aber wiege mich nur einmal morgens. Dies hat zur Folge, dass ich unter Umständen mehrere Blutdruckwerte des aktuellen Tages auf der Startseite überblättern muss, bevor ich mein tagesaktuelles Gewicht sehe.

Das kann man beheben, indem man auf das Dashboard wechselt (siehe Bild 7, weiter unten), in dem die Übersicht aller zuletzt gemessenen Werte dargestellt wird. Wahrscheinlich eine Geschmacksfrage, welche der beiden Ansichten (Timeline oder Dashboard) man sehen möchte, wenn die App startet – ich selber bin allerdings ein Fan von Dashboards als Zusammenfassung auf einen ersten Blick.

Bild 1

Was mir gut gefällt: in der App ist auf der Startseite (entspricht eben der Timeline) die Interpretation der gemessenen Werte farbig dargestellt, also mit Farben signalisiert, ob der Messwert gut ist (blau), mit Vorsicht zu beobachten (gelb) oder alarmierend (rot) ist. Das ist anders als auf der Webseite, siehe Artikel „Aus Withings wird Nokia – Teil 1: Blutdruck-Auswertungen“, wo eine farblich dargestellte Einordnung der Messwerte erst auf der Detailseite erfolgt. Ebenfalls gefällt mir die konkrete textuelle Angabe der Einordnung unter dem jeweils angezeigten Messwert, in Bild 1 also „erhöhter Normalwert“ beim Blutdruck und „normal“ bei der Herzfrequenz.

Irritierend bleibt für mich, dass allerdings statt einem zu erwartenden grün bei guten Werten, diese in blauer Farbe dargestellt werden. Und während die Messwerte beim Blutdruck also interpretiert und entsprechend farbig eingeordnet werden, gilt dies für die Herzfrequenz nicht. Das ist erst einmal in Ordnung, wenn die (Herzfrequenz-) Werte nicht oder schwer interpretierbar sind. Aber die Darstellung eines farbigen Herzens in grün-blauen Tönen irritiert, hat sie doch inhaltlich keine Aussagekraft und erwedckt aber auf den ersten Blick den Eindruck als wären die Werte überprüft und in Ordnung.

Detailanzeigen aus der Timeline heraus

Bild 2

Aus der Timeline heraus können durch Antippen die gemessenen Einzelwerte, wie in Bild 2 zu sehen ist, aufgerufen und die Interpretation (im Beispiel „Grad 1 Bluthochdruck“) schriftlich sowie farblich noch einmal angezeigt werden. Man kann bequem alle Werte durchblättern, in dem man oben die angezeigten Pfeile nach links und rechts betätigt. Auch zusätzliche Werte können hierüber manuell eingetragen werden. Tippt man auf den Pfeil rechts neben der Interpretation des Blutdruck (also rechts neben „Grad 1 Bluthochdruck“), so bekommt man die Einordnungsskala wie in Bild 3 zu sehen ist, angezeigt. Diese Anzeige ist zur Zeit noch in Englisch, aber da es mehr oder weniger nur eine Tabelle ist, ist das kein großes Manko aus meiner Sicht.

Bild 3

Die gleiche Detaillierung gibt es für den Herzschlag, also eine Darstellung der Einzelwerte inklusive Einordnung des Messwertes in die folgenden Kategorien: (1) schnell bei >100 Schlägen pro Minute, (2) normal zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute, (3) langsam zwischen 40 und 60 Schlägen pro Minute, inklsuive der Erklärung zur Einordnung in diese Kategorien. Allerdings werden alle Werte blau dargestellt, es wird also keine Differenzierung oder Interpretation zwischen den angegebenen Kategorien vorgenommen oder schlimmer noch, sie könnten fälschlicherweise als „in Ordnung“ interpretiert werden.

Bild 4

Etwas inkonsistent und anders ist die Darstellung beim Gewicht: als erste Detaillierung nach der Timeline erscheint die Verlaufskurve über das Quartal (oder wahlweise Woche, Monat oder Jahr). Während in der oberen Hälfte das Gewicht angezeigt wird, ist weiter unten zum einen dieselbe Darstellung für die Fettanteilswerte und noch weiter unten für den Body-Maß-Index (BMI) dargestellt, siehe Bild 4.

Gut finde ich, dass quasi vorformatiert auf einer Seite die Gewichtsentwicklung von einer Woche, einem Monat, einem Quartal oder einem Jahr einfach eingestellt und angezeigt werden kann. Das sorgt für Übersicht, obwohl leider keinerlei Tage, Wochen oder andere Unterteilungen innerhalb des Monats etc. selber eingezeichnet sind.

Ferner kann jeweils ein Wertepaar ausgewählt und in schwarzen Kästen mit Datum direkt in der Verlaufsgrafik angezeigt werden. Wenn man dann auf den Pfeil im schwarzen Kasten tippt, so öffnet sich hier – also erst im zweiten Schritt nach der Timeline-Maske – das einzelne Wertepaar. Einen inhaltlichen Mehrwert bietet die sich so öffnenden Darstellung (ohne sie in diesem Artikel explizit zu zeigen) dann aber nicht mehr, da alle Daten schon in der Verlaufskurve in den schwarzen Kästen angegeben sind.

Sehr gut gefällt mir auch die Darstellung des Blutdruckverlaufs, die über „Meinen Trend anzeigen“ in der Darstellung des Blutdruckeinzelwertes (siehe Bild 2) erreichbar ist. In dieser Trenddarstellung (siehe Bild 5) sieht man die Zusammenfassung aller Messungen wahlweise einer Woche oder eines Monats. Richtig gut finde ich die Darstellung mehrerer Werte nicht durch einen (errechneten) Durchschnittswert, sondern durch ein Oval, dass die jeweils gemessenen diastolischen und systolischen Werte umschließt. Weiterhin erfolgt eine Einordnung der Werte in blau, gelb und rot wie im Bild zu sehen ist.

Inkonsistent sind die Zusatzinformationen unterhalb der Grafik. Hier gibt es verschiedenste Kombinationen, bei denen sich mir nicht erschließt, welche wann angezeigt wird. So bekomme ich unter anderem die folgenden Kombinationen für den jeweils angezeigten Zeitraum angezeigt:

  • Durchschnittliche Diastole, durchschnittliche Systole, maximaler Blutdruckwert, minimaler Blutdruckwert
  • Maximale Diastole, maximale Systole, minimaler Blutdruckwert
  • Maximaler Blutdruck, minimale Diastole, minmale Systole

Bild 5

Generell gibt es an verschiedenen Stellen über rechts oben dargestellte drei Punkte verschiedene weitere Aktionsmöglichkeiten für den Nutzer, die sich aber auf einzelne Messwerte beziehen: einen Messwert löschen, manuell eingeben oder einen Messwert weitergeben. Auch die Messwerttabelle lässt sich für die verschiedenen Kategorien anzeigen – die für mich wesentliche Funktion der Weitergabe oder des Exports von den Verlaufsgrafiken oder auch nur der Messwerttabelle (zum Beispiel für einen Arztbesuch wie in „Auswertungen für den Arztbesuch erstellen“ beschrieben) scheint noch nicht zu existieren.

Übersicht Timeline-Struktur

Zusammenfassend ist in Bild 6 noch einmal der Menübaum der App ab der Timeline schematisch dargestellt. Man kommt also im ersten Schritt bei dem Tippen auf den jeweiligen Messwert in der Timeline für Gewicht und Fettanteil in die Verlaufskurve und von dort in die Einzelwerte, während beim Blutdruck und der Herzfrequenz zunächst der Einzelwert angezeigt wird und man dann – zumindest beim Blutdruck – die Verlaufskurve angezeigt bekommt.

Bild 6

Das Dashboard

Die Idee des Dashboards gefällt mir gut – alle Werte mit den jeweils zuletzt gemessenen Ergebnissen auf einen Blick darzustellen, siehe Bild 7. Ganz oben kann übrigens zwischen Familienmitgliedern (im Screenshot Jörg und Joe) hin und her gewechselt werden. Allerdings – aufpassen – wechselt die Anzeige zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern nur im Dashboard. Selbst wenn ich im Dashobaord „Joe“ in der Ansicht aktiviere, dann sehe ich in der Timeline trotzdem noch die Werte von Jörg (ohne dass der Name der angezeigten Person darauf hinweist).

Bild 7

Schwierig zu verstehen – die Anzeige beim Dashboard in der ersten Spalte ganz links in den blauen Kreisen. Ich denke, hier soll eine Tendenz dargestellt werden, was inhaltlich ja nicht nur sinnvoll, sondern wünschenswert wäre. Allerdings habe ich noch nicht entdeckt, auf welche Vergleichswerte sich die Anzeige bezieht: beim Gewicht habe ich im Vergleich zur letzten Messung 200 Gramm zugenommen, aber in Bild 7 sieht man, dass die App eine Abnahme des Gewichts signalisiert (Pfeil nach rechts unten). Umgekehrt ist es beim Fettanteil, die historische Entwicklung beider Werte siehe Bild 8, wo ich als heutigen Messwert rund 1.5% weniger als gestern angezeigt bekomme, im Dashboard aber der Pfeil steil nach oben zeigt.

Bild 8

Bei der Herzfrequenz, nehme ich an, wird keine Einordnung und kein Vergleich angezeigt, sondern nur ein „Herz“ als Symbol für den Messwert. Beim Blutdruck bin ich mir nicht sicher, kann mir aber vorstellen, dass der Haken bedeutet, dass der Wert im Normbereich liegt.
Insbesondere durch die einheitliche blaue Farbe, die an anderer Stelle ja als „grün“ oder „alles in Ordnung“ zu interpretieren ist, finde ich das Dashboard auf den ersten Blick schwer inhaltlich zu interpretieren.

Verlaufsdarstellung der Herzfrequenz

Über die Auswahl der Herzfrequenz im Dashboard öffnet sich eine Grafik, die über die Timeline anscheinend nicht erreichbar ist: ein Verlauf der Herzfrequenz, siehe Bild 9.

Im Beispiel in Bild 9 werden für den Monat Juni die mittleren Herzfrequenzwerte je Tag als Kurve angezeigt. Der schwarze Kasten gibt für einen in der Kurve ausgewählten Tag drei Werte an: den durchschnittlichen Wert des betreffenden Tages (also 85 am 23. Juni) sowie den geringsten gemessenen Wert (44 Herzschläge) und den höchsten gemessenen Wert (114 Schläge).

Unterhalb der Grafik ist nun wiederum – so nehme ich an – der durchschnittliche Wert in der Wachzeit in diesem Monat, also 79 Herzschläge pro Minute, angegeben. Was aber nicht stimmen kann – aufpassen – darunter sind ein Maximalwert (87 Schläge) und ein Minimalwert (72 Schläge) angegeben. Das passt aber nicht zum angegebenen Tag (23. Juni, siehe oben) und damit erst recht nicht zum in der Verlaufskurve angezeigten Monat. Ein Fehler?

Dashboard: Detailauswertungen und Strukturübersicht

Aus dem Dashboard gelangt man bei Tippen auf die einzelnen angezeigten Kategorien, im Sinne von Gewicht, Herz, Fettanteil und Blutdruck wie in Bild 10 als Übersicht dargestellt, an allen Stellen auf die grafischen Verlaufskurven. Das ist schlüssig, übersichtlich und sehr gut.

Im zweiten Schritt kann man sich dann bei Gewicht, Fettanteil, BMI und Blutdruck die Einzelwerte anzeigen lassen, diese Funktion ist bei der Herzfrquenz nicht vorhanden – ein Mehrwert wäre dadurch aber auch kaum gegeben.

Bild 10

Fazit

In Summe liefert Nokia nach meinem Verständnis hier eine ordentliche App mit teils wirklich guten Darstellungen, die mir gefallen.

Verbesserungswürdig finde ich die farbliche Darstellung der Messwerte: es ist zum einen nicht immer klar, wann die Farbe als „Signal“ zu interpretieren ist und wann nur als „zustandsloses Symbol“ und zum anderen, dass blau als grün zu interpretieren ist.

Insbesondere fehlt mir aber – in Kombination mit der Webseite für die Auswertungen – die Möglichkeit Daten, die über einen einzelnen Messwert hinausgehen, drucken oder exportieren zu können. Ich will nicht ausschließen, dass ich das irgendwo übersehen habe, aber das ist ein echtes Manko.

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