Forschung zu Alzheimer per Computerspiel

Alzheimer ist eine Krankheit, die langsam beginnt und sich über einen meist langen Zeitraum weiterentwickelt. Deshalb ist es auch schwer, sie zu erkennen, bevor sie bereits einen Schaden angerichtet hat. Heutige Therapien können das Fortschreiten der Krankheit nur verlangsamen, aber „verlorene Gehirnzellen“ nicht zurückbringen. Umso wichtiger sind Forschungsprojekte, die eine möglichst frühe Erkennung von Alzheimer-Demenz zum Ziel haben oder sogar eine Veranlagung dazu aufdecken können.

Wissenschaftler haben ein Computerspiel (verfügbar über Browser oder als App für iOS und Android sowie für die VR-Brille Oculus Rift) entwickelt, mit deren Hilfe erkannt werden soll, ob das Risiko des Nutzers an Alzheimer zu erkranken, erhöht ist. Dazu prüft das Spiel den Orientierungssinn der Nutzer, denn dessen Beeinträchtigung soll schon lange vor den ersten Gedächtnisschwächen auftreten.

Sea Hero Quest

Das Spiel „Sea Hero Quest“ wurde von der Deutschen Telekom unter Mitwirkung von Neurologen, zum Beispiel Alzheimers Research UK oder der University of East Anglia, entwickelt. Es geht um die Navigation durch eine virtuelle Ozeanwelt mit Eisbergen und Inseln. Dabei sind Aufgaben zu lösen, bestimmte Punkte – nach der vorherigen Anzeige der Landkarte mit aktuellem Standort und Zielpunkt – anzufahren und verschiedene Gegenstände einzusammeln.

Die Grafik ist liebevoll erstellt, man kann sich in der Gegend wie auch in der Kabine des Fischkutters, mit dem man unterwegs ist, um die Aufgaben zu lösen, umschauen und interessantes entdecken.

Sobald man anfängt zu spielen, werden Daten generiert, die den Forschern helfen. Dabei sind Daten von gesunden Menschen genauso wichtig, wie auch Daten von betroffenen Menschen – es gilt ganz allgemein „big data“-mäßig: Je mehr Daten, desto besser.

Forschungsergebnisse

Mit den gewonnen Daten von über 4,3 Millionen Menschen weltweit, die dieses Spiel gespielt haben (das ergibt über 117 Jahre Daten aus diesen Spielen), gibt es als Basis umfangreiche Vergleichswerte, wie gut der generelle Orientierungssinn von Menschen differenziert nach verschiedenen Kulturen, Geschlecht oder Alters ist.

Dabei zeigte sich, dass Männer besser abschneiden als Frauen, der Unterschied zwischen den Gelechtern in Ländern, in denen eine Gleichstellung der Geschlechter herrscht, geringer ist, ab 19 Jahren der Orientierungssinn abnimmt und vieles mehr.

Die Daten sollen durch ihren Umfang in der Forschung nicht nur helfen, Demenz früher zu erkennen, sondern auch bei der Entwicklung von Therapien der Krankheit zu unterstützen.

Interessanter Teilaspekt der Forschungsergebnisse: Aus anderen Untersuchungen wissen wir, dass Menschen, die eine bestimmte Variante des APOE-Gens besitzen, eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit an Alzheimer-Demenz zu erkranken haben. Und tatsächlich zeigten Testpersonen mit diesem Gen (die ansonsten geistig noch völlig gesund waren und in anderen Gedächtnis- oder ähnlichen Tests nicht identifiziert werden konnten) einem schlechteren Orientierungssinn im Spiel als gesunde Menschen beziehungsweise der Mittelwert vergleichbarer Testpersonen.

Die Forscher sehen sich insofern bestätigt, dass mit dem Spiel sowohl Alzheimer im Frühstadium (bevor Gedächtnisdefizite erkennbar werden) als auch sogar die genetische Disposition identifiziert werden kann.

Aktualisierung

Leider ist das Spiel nicht mehr abrufbar beziehungsweise kann nicht mehr gespielt werden. Einen schönen Eindruck gibt es in einigen YouTube-Videos, zum Beispiel:

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