Am letzten Januar-Wochenende wurde ich im Allgäu in ein Krankenhaus eingeliefert. Was sich am Tag der Einlieferung zur Erfassung meiner Daten abspielte, war schon anstrengend, aber es sollte noch besser kommen. Doch der Reihe nach…

Nach dem Hausbesuch des Notdienst-Arztes in meinem Hotelzimmer wurde ein Transport organisiert, der mich in eines der nächstgelegenen Krankenhäuser brachte. Auf der Fahrt interviewten mich die Sanitäter nach etwaigen Vorerkrankungen und nach den Medikamenten, die ich einnehme. Ich war positiv überrascht, dass dies direkt in einen an Bord befindlichen Tabletcomputer eingetragen wurde. Das sah modern aus und ich erwartete eigentlich, dass diese Daten dann automatisch im Ziel, das heißt, dem Krankenhaus, in das es ging, übertragen werden und somit vorliegen würden.

Das war allerdings leider nicht der Fall – oder wenn dem so war, so wurden sie nicht weiterverwendet. In der Notaufnahme musste ich nämlich erneut meine Beschwerden, Vorerkrankungen und sämtliche Medikamente dem Pfleger auf seinen papiernen Fragebogen diktieren. Es fiel mir in meinem damaligen Zustand schon schwer, das überhaupt zu tun – und wenn man bedenkt, dass ich rund 7 Medikamente an normalen Tagen nehme (oder knapp 20 Tabletten), dann ist es schon fast erstaunlich, dass ich lediglich ein Medikament bei der Aufzählung vergaß beziehungsweise mir der Name des Präparates in meinem Zustand nicht einfiel.

Noch erstaunter – und erschreckter – war ich, als sich derselbe Prozess auch nach der Verlegung aus dem Allgäuer in ein Münchener Krankenhaus erneut so abspielte. Aufgrund eines Mißverständnisses in der Kommunikation war ich in der falschen der beiden Notaufnahmen in München eingeliefert wurden. Nachdem mir in dieser Blut abgenommen worden war und ich meinen Medikamentenplan aufgezählt hatte, wurde der Fehler festgestellt und ich in die andere Notaufnahme „transferiert“. Leider passierte hier das Gleiche noch einmal, obwohl ich auf das Vorliegen des entnommenen Blutes und meiner Daten auf Papier in demselben Krankenhaus, bloß der anderen Notaufnahme, berichtete – wieder zählte ich meine Medikamente auf und es wurde Blut abgenommen.

Informationsdefizit im Krankenhaus

Tatsächlich hat es das Krankenhaus – trotz Vorliegen des Arztbriefes mit der Medikation im Original – dann geschafft, ein Medikament bei der Verteilung am nächsten Morgen zu vergessen bzw. nicht zu verteilen, weil ich es bei der Aufzählung vergessen hatte. Ich verstehe, dass – so wurde es auch auf der Station begründet – die Übereinstimmung der Medikation des letzten Arztbriefes mit den Medikamenten, die ich aktuell nehme, vorgenommen werden muss. Warum aber erfolgt dies bei der erwähnten Anzahl an Medikamenten nicht in umgekehrter Form, also durch Abfrage der im Arztbrief stehenden Medikamente beim Patienten anstatt ihn dieses alles aus dem Gedächtnis aufzählen zu lassen? Es bleibt zu hoffen, dass der eingeführte Medikationsplan auf mittlere Sicht Besserung (für den Patienten) bringen wird…

In Summe, so ziehe ich für mich das Fazit, fühle ich mich bestätigt, dass der Patient mehr Verantwortung nicht nur übernehmen, sondern auch bekommen muss. Und dies muss alle möglichen Hilfen und Unterstützungen einschließen und nicht dabei aufhören, dass der Patient „angehört“ wird. In den USA wird dies auch durch die ePatient-Bewegung getrieben – wobei das „e“ für engaged, engagiert, steht.

Und – durch diese Erfahrung werde ich mir demnächst Apps, aber auch Programme anschauen, die eine elektronische Patientenakte aus Sicht des Betroffenen ermöglichen. Dies wäre ein erster Schritt zumindest der Sammlung der Daten an einer Stelle – aber auch das Klinikpersonal und die Ärzte müssten dann bereit sein, sich diese Informationen anzuschauen und (weiter) zu verwenden.




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