Top 3 Verzeichnisse von Gesundheits-Apps

Macht man sich auf die Suche nach hilfreichen Apps für seine Gesundheit oder gar zur Unterstützung bei einer speziellen Krankheit, so ist der naheliegende Weg selten erfolgversprechend: Die Suche in den App Stores von Google und Apple findet meist viel zu viele Apps, englisch- ebenso wie deutschsprachige Apps, Apps für Medizinstudenten genauso wie für Patienten und eine Einordnung in Bezug auf ein Zertifikat oder die Prüfung der App durch medizinische Fachgesellschaften oder Behörden ist nicht erkennbar.

Ende 2020 / Anfang 2021 gab es rund ein halbes Dutzend verschiedener Verzeichnis-Anbieter mit spezialisierten Webseiten für Gesundheits-Apps, aber mittlerweile ist das Angebot deutlich zurückgegangen. Deshalb schaue ich in diesem Artikel auf die aus meiner Sicht aktuellen Top 3 Anbieter von Verzeichnisse für Gesundheits-Apps aus Patientensicht (Stand Oktober 2021).

Zur besseren Übersicht kann auf jedes in diesem Artikel enthaltene Bild geklickt und es so vergrößert dargestellt werden,

Weisse Liste

Die Weisse Liste ist von der Bertelsmann Stiftung zusammen mit den Dachverbänden der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen in Deutschland aufgebaut worden. Nicht irritieren lassen: Auch wenn die Webseite für die Gesundheits-Apps der Weissen Liste „trustedhealthapps.org“ heißt, so ist die Webseite doch in Deutsch.

In der Weissen Liste sind alle Apps und Anwendungen enthalten, die in Deutschland die Zulassung als Medizinprodukt haben, das sind aktuell rund 120 Lösungen. Es gibt derzeit 25 verschiedene Kategorien, also beispielsweise Atmung & Lunge, Essstörungen oder Herz & Kreislauf, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Nutzer kann sich Gesundheits-Apps direkt über die Auswahl einer Kategorie anzeigen lassen, siehe Bild 2, oder auch in einem Suchfeld einen beliebigen Begriff eingeben, siehe Bild 1.

Zu jedem Eintrag gibt es eine kurze Übersicht über die App / Anwendung und ihre wesentlichen Eigenschaften, siehe Bild 3 und 4, in einigen Fällen sind auch ein paar Screenshots enthalten. Über „Mehr Details“ gibt es zu den einzelnen angezeigten Begriffen ein wenig mehr Erklärung. Unter „Qualitätsbericht“ würde eine freiwillige Selbstauskunft der Anbieter zu einem von der Bertelsmann Stiftung entwickelten (und vom Bundesgesundheitsministerium geförderten) Gütekriterien-Katalog „AppQ“ erscheinen. Bei meinen Recherchen habe ich allerdings leider noch keinen einzigen enthaltenen Qualitätsbericht gefunden.

Überblick

  • Enthaltene sind alle Apps, die in Deutschland als Medizinprodukte zugelassen sind
  • Suche nach einzelnen Apps und Freitext möglich
  • Einteilung der Apps in 25 „Krankheits-“ Kategorien
  • Links auf Download-Seiten der Apps und weitere Informationen zu den Apps vorhanden
  • Detailinformationen je App u.a. Plattformen, Kosten, Zusatzgeräte, Krankheiten
Bild 1: Suchfeld
Bild 2: App-Kategorien
Bild 3: App-Details (1 von 2)
Bild 4: App-Details (2 von 2)
Das Weisse-Liste-Verzeichnis von Gesundheits-Apps ist unter der Adresse trustedhealthapps.org zu finden.

Diga-Verzeichnis

Auf der Seite diga.bfarm.de werden alle als Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassenen Apps und Anwendungen aufgelistet. Das sind – nach Einführung der DiGA vor ziemlich genau einem Jahr – aktuell (Stand 07.10.21) insgesamt 22 DiGAs beziehungsweise streng genommen 20 verschiedene Anwendungen, da eine Lösung für verschiedene Krankheiten dreimal aufgenommen worden ist.

Das ist zwar eine überschaubare Anzahl an Lösungen, die aber in den nächsten Monaten und Jahren weiter wachsen wird. Die Kosten für alle in diesem Verzeichnis stehenden Apps müssen – eine medizinische Indikation für den Nutzer natürlich vorausgesetzt – von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Als sogenannte „Apps auf Rezept“ können Ihnen Ärzt*innen und Psychotherapeut’innen diese Apps verschreiben.

Es gibt ein Suchfeld für Freitext, also quasi beliebige Begriffe, nach denen gesucht werden kann, siehe Bild 5. Und es gibt umfangreiche Kriterien (Krankheitskategorien ebenso wie technische Merkmale), nach denen gesucht werden kann (Ausschnitt in Bild 6 am linken Rand sichtbar).

Insgesamt sind hier zu jeder App beziehungsweise Anwendung auf der Detailseite sehr viel Informationen enthalten, siehe Bild 7 und 8, viele davon auch für das medizinische Fachpersonal, also beispielsweise die verschreibenden Ärzt*innen. Die Nutzung von uns als Patienten dürfte sich in der Regel auf die Suche nach einer passenden Anwendung für eine Krankheit beschränken und selten so sehr in die Tiefe gehen. Interessierte Patienten können aber – bei Bedarf – auch viele medizinische und technische Zusatzinformationen auf der Webseite bekommen.

Überblick

  • Enthaltene sind alle Anwendungen, die in Deutschland als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen sind, das sind aktuell 22 Apps oder Webanwendungen (Stand: Oktober 2021)
  • Suche nach einzelnen Apps und Freitext möglich
  • Einteilung der Apps in sieben „Krankheits-“ Kategorien
  • Sehr umfangreiche Informationen zu jeder App, aus medizinischer wie technischer Sicht, vorhanden
  • Links zu den Download-Seiten der Apps sowie auf weitere Informationsseiten wie den Webseiten der Hersteller vorhanden
Bild 5: Suchfeld
Bild 6: App-Kategorien
Bild 7: App-Details (1 von 2)
Bild 8: App-Details (2 von 2)
Das DiGA-Verzeichnis ist unter der Adresse difa.bfarm.de zu finden.

digimeda

digimeda ist ein sehr umfassendes App-Verzeichnis, in dem nicht nur geprüfte Gesundheits-Apps angezeigt werden können. Im Vergleich zu den beiden anderen App-Verzeichnissen ist die Anzahl der hier enthaltenen Apps um ein Vielfaches größer. Aber, großer Nachteil: In der leicht zugänglichen, kostenlosen Variante werden je Kategorie, also quasi Krankheit, lediglich die drei besten Apps angezeigt, siehe Bild 10. Wer mehr sehen möchte, muss den Anbieter kontaktieren und ein sogenanntes Datenpaket kaufen.

Schade. Denn neben der umfassenden App-Anzahl hat digimeda einen weiteren Vorteil, insbesondere aus Patientensicht: Die zu einer Kategorie gehörenden Apps werden nach einem bestimmten Verfahren, welches auf der Webseite beschrieben ist, gerankt und entsprechend ihres Ergebnisses in der Trefferliste ausgegeben. So ist eine als Medizinprodukt zugelassene App im Ranking besser als eine einfach vom Hersteller ohne Prüfung oder Zulassung im App Store veröffentlichte App. So kann schon das Ranking der Apps dem Nutzer einen sehr guten Einblick in die Qualität der einzelnen Apps geben.

Ein weiterer Nachteil aus meiner Sicht: Die Apps sind in feste Kategorien eingeteilt, die man zur Verwendung im Suchfeld, siehe Bild 9, durchscrollen und anschauen kann. Eine freie Suche, also beispielsweise nach einem in den aufgeführten Kategorien nicht enthaltenen Begriff, zum Beispiel einer Krankheit oder dem Namen einer App, sind nicht möglich. Man muss eine der vorgegebenen, allerdings zahlreichen Kategorien auswählen und sich anschließend mit der Anzeige der zu dieser Kategorie enthaltenen Apps beziehungsweise der drei am besten gerankten Apps dieser Kategorie zufriedengeben. Das Suchfeld ist also eigentlich ein Auswahlfeld für die Kategorien und weniger ein Suchfeld.

Überblick

  • Enthaltene sind wohl fast alle deutschsprachigen Gesundheits-Apps
  • Suche nach einzelnen Apps oder Freitext ist leider nicht möglich
  • Einteilung der Apps in rund 150 „Krankheits-“ Kategorien
  • Links auf Download-Seiten der Apps vorhanden
  • Umfangreiche Angabe von Zertifikaten, Studien und Tests (inklusive Links) von/zu der App
  • Detailinformationen je App unter anderem Krankheiten, Kosten, Erstattungsmöglichkeiten, Notwendigkeit zur Registrierung
Bild 9: Suchfeld
Bild 10: App-Kategorien
Bild 11: App-Details (1 von 2)
Bild 12: App-Details (2 von 2)
digimeda ist unter der Adresse digimeda.de zu finden.

Mein Fazit

Alle drei Verzeichnisse haben ihre Nutzer und Daeinsberechtigung. Die Auswahl der passenden Webseite sollte sich einerseits nach den enthaltenen Apps („Muss es eine App auf Rezept sein?“) und andererseits nach dem benötigten Umfang der Detailinformationen zu den Apps richten.

  • Weisse Liste: Hier bekommt man mit über 100 enthaltenen Apps, die alle in Deutschland als Medizinprodukt zugelassen sind, den besten Überblick auf der Suche nach der passenden Gesundheits-App.
  • DiGA-Verzeichnis: Sehr wichtiges, wenn auch bezüglich Anzahl überschaubares Verzeichnis. Die hier enthaltenen (leider aktuell eben nur rund zwanzig) Apps sind vom BfArM in Deutschland als „App auf Rezept“ zugelassen und müssen von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden.
  • digimeda: Potenziell eine sehr gute Grundlage. Hier sind mehr oder weniger alle Apps zu einem bestimmten Themengebiet enthalten. Großer Nachteil: In der kostenlosen Variante können nur die drei besten Apps zu einer Kategorie abgerufen werden und eine Suche nach einem Eintrag einer konkreten App oder Freitext ist nicht möglich

Wenn Sie individuelle Unterstützung haben möchten: Terminanfrage an Jörg Schiemann.

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