M-sense – App zur Therapie von Migräne

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 50% der erwachsenen Weltbevölkerung an Kopschmerzen, 20% an Spannungskopfschmerzen und 15% an Migräne, einem meist halbseitig pulsierendem Kopfschmerz. Die App M-sense verspricht Linderung durch frühzeitige individuelle Alarmierung vor einer Attacke und auf den Patienten angepasste Therapien. In diesem Beitrag schaue ich einmal auf die App.

Kopfschmerzen und ihr Auslöser

Ob Migräne oder Spannungskopfschmerz – beide Arten von Kopfschmerzen (es soll über 180 verschiedene Arten an Kopfschmerzen geben) sind nicht heilbar. Allerdings können 45% bis 50% der Attacken (sowohl in der Anzahl und als auch in der Dauer), wenn man parallel in Behandlung beim Arzt und gut medikamentös eingestellt ist, mit bestimmten, für den Patienten individuell ermittelten Übungen reduziert werden.

M-sense

Auslöser für die Kopfschmerzen kann vieles sein. Am bekanntesten sind wohl Stress, schlechter Schlaf und Wetterumschwung. Das ist von Mensch zu Mensch zwar unterschiedlich, aber mit der App M-sense versucht die Firma Newsenselab den oder die Auslöser mit Hilfe von Algorithmen für jeden Patienten individuell zu identifizieren.

Dazu werden beispielsweise automatisch Wetterdaten interpretiert, andere individuelle Daten kann der Benutzer Tagebuch-ähnlich in der App erfassen. Dazu gehören unter anderem die Dauer und Bewertung des eigenen Schlafs, Alkohol- oder Koffein-Konsum und einiges anderes mehr. Mit Hilfe der so erfassten Daten soll übrigens auch der Arzt bei seiner Diagnose des Kopfschmerzes unterstützt werden.

Dies – die Erfassung der Symptome in einer Art digitalem Tagebuch – leisten die meisten der zahlreichen Migräne- und Kopfschmerz-Apps, die im Apple App Store oder dem Play Store von Google sind. Die App M-sense aber geht noch einen Schritt weiter.

Analyse & Therapie-Unterstützung

Als Ergebnis der Analyse der eingegebenen Daten wird die Nutzer-abhängige Konstellation, die zu Kopfschmerz-Attacken führt, durch Algorithmen identifiziert. So können Anfälle leichter prognostiziert und früher erkannt werden. Als weiterer dadurch entstehender Nutzen ist dann auch in gewissem Rahmen eine Vermeidungsstrategie möglich.

Über eine Analyse seines individuellen Schmerzmusters erhält der Nutzer Ratschläge für eine nicht-medikamentöse Therapie zur Reduktion der Attacken. Sie folgt medizinischen Leitlinien und kann zum Beispiel ein Programm zur progressiven Muskelentspannung, die Anregung zu mehr Ausdauersport oder autogenes Training enthalten.

Die App M-Sense braucht – weil sie somit eine Therapie-Unterstützung bietet – eine Zertifizierung und ist offiziell ein zertifiziertes Medizinprodukt. Sie agiert als Hilfe für die Dokumentation, Therapieunterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe. Besonders gut: bislang gibt es kaum andere Möglichkeiten für Betroffene als nach Ausbruch der Attacke starke Schmerzmittel zu nehmen – mit der App wird auf Basis der auslösenden Muster versucht, schon eine Entstehung der Schmerzen zu vermeiden.

Vorteile einer App

Typischerweise startet der Verlauf einer Therapie nach der Diagnose mit einer Zusammenarbeit von Arzt und Patient, in der der Patient lernt, mit dem Kopfschmerz umzugehen. In dieser Zeit wird gemeinsam konsequent an der Therapie gearbeitet.

Mit verschiedenen Hilfsmitteln, zum Beispiel einer CD zur progressiven Muskelentspannung, soll der Patient dann nach dem Therapie-Start alleine an seiner Krankheit und ihren Symptomen arbeiten. In der Realität, was wir wahrscheinlich alle kennen, schläft diese Arbeit dann aber ein und zum Beispiel die entsprechenden Entspannungsübungen werden nicht oder nur noch selten durchgeführt.

Die App nun soll mit Hilfe einer ansprechenden Oberfläche Spaß machen, es dem Patienten erleichtern und ihn motivieren, die Therapie-Arbeit auch alleine konsequent fortzuführen.

Dieselbe Wirkung würde auch ohne App eintreten, wenn der Patient aus genügend Eigeninitiative heraus an seinen Übungen dran bleiben würde. Er könnte beispielsweise eine CD zur progressiven Muskelentspannung kaufen und regelmäßig seine Übungen machen, Buch über die Symptome führen und dann darüber mit seinem Arzt sprechen. Aber das geschieht selten konseuquent und hier liegt der Vorteil einer App: oft hat man Spaß an der Bedienung, die Daten werden an einer Stelle gesammelt und durch die Verfolgung der Historie kann ein gewisser Ehrgeiz entwickelt werden, an den Übungen dran zu bleiben.

Bild 1: Tagebuch M-sense

Ganz wichtig also: der Arzt soll nicht ersetzt werden. Die App soll den Patienten bei der eigenen Arbeit an seiner Krankheit unterstützen und ihn motivieren. Sie setzt damit genau da an, wo in der herkömmlichen Therapie „ein schwarzes Loch“ existiert und versucht so, die Kontinuität zu verbessern.

M-Sense gibt abhängig von den individuellen Gegebenheiten des Patienten jeweils passende, vordefinierte Empfehlungen zur Therapie. Der Patient kann aber – zum Beispiel, wenn er mit einer Therapieform schon schlechte Erfahrungen gemacht hat – stattdessen auch andere Therapieformen auswählen.

Bild 2: M-sense active

Preise

Die Basisversion der App mit der Dokumentation der Einflussfaktoren und der Kopfschmerz-Attacken ist kostenlos in den App-Stores erhältlich.

Deshalb zum Abschluss noch ein Blick auf die Kosten der App für die erweiterte Version mit dem Therapie-Modul (M-sense Active).

Momentan (September 2018) gelten noch „early bird Preise“ vor dem eigentlichen Start, sodass die Preise derzeit zwischen 20% und 30% günstiger sind. Für eine Laufzeit von einem Monat zahlt man aktuell 7,99 € (regulär: 9,99 €), für 6 Monate zahlt man 6,66 € (regulär: 8,66 €) monatlich und für ein Jahr einmalig 64,99 € (regulär: 89,99 €).

Aktuell wird der Einsatz der App inklusive der kostenpflichtigen Extras Arbeitnehmern, die bei der Telekom in bestimmten Bereichen arbeiten und bei der Barmer Ersatzkasse versichert sind, sogar von der Krankenkasse bezahlt.

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