Erstmals hat die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL), das heißt, die medizinische Fachgesellschaft für Bluthochdruckkrankheiten und Prävention, eine App für den Umgang von betroffenen Patienten mit ihrer Krankheit zertifiziert.

Bislang mit den Zertifizierungen auf Blutdruckmessgeräte (siehe auch „Zertifizierte smarte Blutdruckmessgeräte) spezialisiert, setzt sich bei der DHL zunehmend die Erkenntnis des Mehrwerts einer App zur Unterstützung von Patienten durch, zum Beispiel für die Aufklärung, die Selbstkontrolle des Blutdruck oder die Erinnerung an die Medikamenten-Einnahme.

Ich habe mir die von der DHL zertifizierte App, Manoa, einmal im Rahmen eines Alltagstest genauer angeschaut (aufgrund der Corona-Pandemie kann man die App bis Ende August 2020 kostenfrei benutzen).

Manoa

Der Kern der App ist die virtuelle Figur Manoa, mit der der Nutzer der App quasi kommuniziert, siehe Bild 1. Dabei ist keine freie Kommunikation möglich, sondern der Nutzer wählt aus ein oder zwei verschiedenen Texten aus, was er in dem Dialog mit Manoa sagen würde („Klingt gut, lass uns direkt starten“ oder „Erzähl mir mehr über dich“) und Manoa passt daraufhin den Dialog an, siehe Bild 2.

Auch wenn es sich hier nicht um eine KI oder einen Chatbot handelt, mit dem ein Nutzer frei chatten beziehungsweise kommunizieren könnte, so finde ich den Dialog ansprechend und motivierend. Durch die Kommunikation „mit der App“ beziehungsweise mit Manoa bekommt die Nutzung zumindest einen persönlicheren Touch und es macht Spaß auch innerhalb dieser engen Grenzen mit Manoa „zu reden“, siehe auch Bild 3.

Bild 1: Manoa-Vorstellung

Bild 2: Chat mit Manoa

Bild 3: Chat mit Manoa

Die vier Kernthemen

Die App soll – so das Ziel der Zertifizierung – den Nutzer beziehungsweise an Blut(hoch)druck erkrankten Patienten beim Umgang mit seiner Krankheit helfen.

Dazu sind vier verschiedene Themenaspekte ausersehen, über die der Nutzer etwas in der Theorie lernt und über Eingaben wie beispielsweise gemessene Blutdruckwerte oder gegangene Schritte pro Tag zu einem gesünderen Lebensstil bewegt werden soll (Menüpunkt „Fortschritt“, siehe Bild 4):

  • Blutdruck
  • Bewegung
  • Ernährung
  • Entspannung

Bild 4: Die vier Kernthemen

Bild 5: Fortschritt „Bewegung“

Ruft man den Fortschritt zu einem der Punkt auf, so wird der erarbeitete Status in der Therorie („Bewegungsexperte“) und der Praxis („Schritt für Schritt zum Ziel“), siehe Bild 5, dargestellt.

Der wichtigste Punkt: Eingabe gemessener Blutdruckwerte

In Zukunft soll es eine automatische Datenübernahme der Blutdruckwerte von Apple Health oder Google Fit nach Manoa geben. Damit dürfte dann der indirekte Anschluß fast jedes smarten Blutdruckmessgerätes gewährleistet sein.

Solange dies nicht möglich ist, bietet die App zwei Wege zur Erfassung von gemessenen Werten an, einmal per manueller Eingabe und einmal, das habe ich bislang bei noch keiner anderen Blutdruck-App gesehen, kann das Display eines Blutdruckmessgerätes gescannt beziehungsweise abfotografiert und die angezeigten Messwerte automatisch übernommen werden. Eine grundsätzlich tolle Idee!

Bild 6: Anzeige Blutdruckmessgerät

Bild 7: Interpretation Manoa-App

Das funktioniert aber leider nicht für alle Blutdruckmessgeräte mit einem Display. So gibt es eine Liste in der App, in der der Nutzer sein konkretes Gerät zum Einscannen auswählen muss. Enttäuschend: Für das von mir verwendete Blutdruckmessgerät von iHealth ist kein Eintrag vorhanden.

Und obwohl das Display aus meiner Sicht gut lesbar ist, versagt der Erkennungsalgorithmus der App kläglich: Statt der gemessenen Werte 154/84, siehe Bild 6, liest die App konsequent 111/71. Das finde ich enttäuschend!

Das Blutdruck-Tagebuch ermöglicht übrigens standardmäßig zwei Messungen, eine Morgen- und eine Abendmessung. Zusätzliche Messungen können jederzeit als „Weitere Messungen“ gespeichert werden.

Ich nutze dies, indem ich morgendliche Messungen, die ich vorschriftsmäßig vor meiner Blutdrucktabletten-Einnahme mache, auch als „Morgenmessung“ speichere. Messe ich den Blutdruck erst nach der Einnahme der Medikamente, so speichere ich diese Messung als eine „Weitere Messung“.

So kann ich zumindest in der Übersicht der Messwerte unterscheiden, welche Werte vor und welche Werte nach der Medikamenten-Einnahme gemessen wurden. Leider habe ich bislang keine weitere Differenzierungsmöglichkeit, zum Beispiel getrennte Darstellung der unterschiedlichen Werte, in der App entdeckt. Schade.

Auswertungen der Blutdruckwerte

Zur Erfassung der Messwerte bleibt mir also aktuell nichts anderes übrig, als die Daten manuell einzugeben, siehe Bild 8.

In Bild 9 sieht man die möglichen Auswertungen der eingegebenen Daten. Unter „Blutdruck“ befinden sich am oberen Ende des Bildschirms die Einträge „Verlauf“, „Einträge“ und „Messkalender“. Dabei sind unter Einträge wie in einem schriftlichen Blutdrucktagebuch alle gemessenen Werte einzeln untereinander, in zeitlicher Reihenfolge angegeben. Im „Messkalender“ sieht man auf Basis des Monatskalenders die einzelnen Tage, die – je nach Messhäufigkeit – teilweise oder ganz umkreist sind.

Bild 8: Blutdruck-Eingabe Manoa

Bild 9: Monatsauswertung

Die „eigentlichen“ Auswertungen sind die Grafiken im Reiter „Verlauf“. Ein Beispiel sieht man in Bild 9: Für die ausgewählte Dauer „Monat“ ist je Woche ein Durchschnittsverwert ausgerechnet und in einer Grafik eingetragen worden.

Das Gleiche geschieht für eine Woche (je Tag ein Durchschnittswert) und für ein Jahr (je Monat ein Durchschnittswert). Dazu kommt die stets gleichbleibende Anzeige des Durchschnitts-Blutdruck-Wertes für die letzten 30 Tage (unabhängig vom in der Grafik dargestellten Messzeitraum).

Das finde enttäuschend. Für mein Gefühl geht mit der Reduktion der ganzen Messwerte auf jeweils wenige gemittelte Durchschnittswerte in der grafischen Darstellung in der App viel an Information verloren.

Bild 10: pdf-Auswertung

Etwas anders sieht das in der pdf-Auswertung aus, die auch exportiert werden kann, siehe Bild 10. Hier sind die Einzelwerte beispielsweise in der 30-Tage-Darstellung enthalten und man kann zumindest Ausreisser nach oben oder unten erkennen (was ja wichtig für die Interpretation eines Durchschnittswertes ist: habe ich einen konstanten Blutdruck oder eher sehr unterschiedlich hohe und niedrige Werte, was beides denselben Durchschnittswert ergeben kann).

Weitere Auswertungsmöglichkeiten (beispielsweise eine Sortierung der Messwerte nach Tages-/Uhrzeiten) gibt es nicht und auch eine Einordnung der gemessenen Blutdruckwerte nach der WHO-Einteilung in normal, hoch etc. ist nicht vorhanden.

Erstes Fazit

Bislang ziehe ich ein gemischtes Fazit. Die Idee mit der Figur Manoa, mit der man in einem gewissen Rahmen chatten kann, und die Abdeckung verschiedener Bereiche, sowohl in theoretischer als auch praktischer Art, die Einfluss auf den Blutdruck haben, gefallen mir gut.

Die Auswertungen finde ich dagegen verbesserungsfähig. Je größer der Zeitraum wird, desto ungenauer wird die Auswertung beziehungsweise Grafik mit der Darstellung von beispielsweise monatlichen Durchschnittswerten für den Jahreszeitraum. Ich glaube, damit gehen viele mögliche, wertvolle Informationen verloren.

Um meinen Blutdruck „im Blick zu behalten“ und schnell problematische Tendenzen zu erkennen, werde ich weiterhin andere Apps für grafische Auswertungen nutzen.

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