MyTherapy als Gesundheitstagebuch

Die App MyTherapy nutze ich wegen ihrer Funktionalität zur Medikamenten-Einnahme, also der Benachrichtigungen, wann ich welche Medikamente in welcher Dosis einnehmen muss, und zur Bestätigung beziehungsweise Dokumentation, dass ich das auch wirklich getan habe.

Nun kann man in MyTherapy aber auch weitere Daten eingeben und speichern:

  • Verschiedenste in der App sogenannte „Messungen“. Das geht von Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und Körpertemperatur über zahlreiche Blutwerte bis hin zu Brust-, Bauch- oder Oberarmumfang
  • Es gibt zahlreiche sportliche und auch weniger sportliche „Aktivitäten“, die man eintragen kann. Das geht von unzähligen Sportarten inklusive Fitnesstraining, Golf und Kegeln über Gartenpflege bis zu Einträgen wie „Kontakte pflegen“ oder „Zeit für mich“. Selbst Geschlechtsverkehr kann bei Bedarf eingetragen werden
  • Auch sogenannte „Symptome“ können eingetragen werden. Dazu gibt man auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) über 3 (normal) bis hin zu 5 (sehr gut) eine quantitative Einschätzung zum Allgemeinzustand, in der Auswertung später als „subjektives Wohlbefinden“ bezeichnet, ein. Anschließend können mehrere Symptome angegeben werden, das reicht von Lichtempfindlichkeit und Juckreiz über Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen bis hin zu Freudlosigkeit oder geringem Selbstwertgefühl

In Summe kann also eine schier unüberschaubare Anzahl an Daten eingegeben werden – allerdings sind keine eigenen, neuen Aktivitäten, Messungen oder Symptome zu definieren. Es muss – aber das erscheint mir auch völlig ausreichend – aus den umfangreich vorhandenen Einträgen ein Eintrag ausgewählt werden.

Mit diesen Eingaben, wenn man sie umfangreich nutzt, kann nun quasi ein Gesundheitstagebuch geführt werden. Man kann also neben der Historie der Medikamenten-Einnahmen beispielsweise auch eingeben und später abrufen, wie man sich fühlte, welche Beschwerden es gab oder wie sich Blut- oder Vitalwerte verändert haben. Das ist aus meiner Sicht insbesondere bei Behandlungen oder Medikamentumstellungen hilfreich, weil man – zugegebenermaßen allerdings mit eingem Aufwand durch die notwendigen Eingaben verbunden – gegebenenfalls Abhängigkeiten erkennen kann. Also zum Beispiel: „Jedes Mal, wenn ich die hohe Kortisondosis nehme, dann leide ich an Schlaflosigkeit“.

Dafür sollte übrigens die Funktionalität der Sondereinnahme von Medikamenten, die ich im Artikel Erkältet? Kopfschmerzen? So nutze ich MyTherapy für den Medikamenten-Überblick beschrieb, genutzt werden. Gerade bei Wechselwirkungen von Medikamenten ist es ja wichtig alle eingenommenen Medikamente zu kennen, damit solche Wechselwirkungen erkannt werden können.

Für die Erstellung eines Gesundheitstagebuchs kann man dann Berichte erstellen, die zusammengebracht eine entsprechende Darstellung der Gesundheit über einen beliebig langen Zeitraum (aufgeteilt in verschiedene Berichte) einfach und übersichtlich ermöglichen.

Auswertung zur Medikamenteneinnahme

Der von MyTherapy per Mail zugesandte Bericht ist je nach Anzahl der gesammelten Daten mehrere Seiten lang. Dabei zieht sich der horizontale Aufbau einheitlich über alle Seiten und Auswertungen hinweg durch. Es beginnt mit der Spalte, in der die angezeigten Werte benannt werden, also beispielsweise „Medikament 1“, „Medikament 2“, dann folgt eine Spalte mit verschiedenen Zahlenwerten, die abhängig vom dargestellten Wert unterschiedliche Ausprägung haben, zum Beispiel der jeweilige Durchschnittswert für den Berichtsmonat. In den Folgespalten werden dann die konkreten Informationen zu jedem einzelnen Tag im Monat dargestellt.

Der Ursprung und die Motivation von MyTherapy kommt aus dem Bereich der Medikamenten-Einnahme und so startet der umfangreiche Bericht, das Gesundheitstagebuch, natürlich auch mit der Dokumentation der Medikamente. Eine Gesamtzusammenfassung in grafischer und textueller Darstellung unter der Überschrift „Medikamenten-Einnahme“ befindet sich in der ersten Zeile. Dabei werden alle zu nehmenden Medikamente und anschließend die Summe aller Bestätigungen aufaddiert und dann miteinander verglichen – einmal als „Balken (Summe eingenommener Medikamente) im Balken (Gesamtanzahl einzunehmender Medikamente) Diagramm“ und einmal als Prozentwert der sogenannten Compliance, also Einnahmetreue (im Screenshot zwischen 91% und 100%).

Gesundheitstagebuch - Medikamente

Bild 1: Auswertungen zur Medikamenten-Einnahme

Darunter werden dann alle Medikamente einzeln mit ihrer Einnahmedokumentation des aktuellen Monats im Detail angegeben. Dabei werden in alphabetischer Reihenfolge zuerst die im Medikationsplan enthaltenenen Medikamente und dann die Bedarfsmedikation jeweils in einem eigenen Abschnitt dargestellt.

Korrekte Einnahmen werden durch die dunkelgrauen kleinen Häkchen in jedem Feld dargestellt. Wenn an einem Tag keine Einnahme eines Medikamentes notwendig war, siehe zum Beispiel die Dekristol-Zeile, dann bleibt das Kästchen leer und weiß. Gab es Abweichungen jeglicher Art, so sind diese Kästchen mit einem hellblauen Hintergrund versehen.

Die Art der Abweichung der geplanten Einnahme wird durch das entsprechend dargestellte Zeichen angegeben. So zeigt das Kreuz am 4. August beim Magnesium an, dass ich es nicht eingenommen oder die Einnahme nicht bestätigt habe (beides ist ja möglich).

Bei der Bedarfsmedikation ist die Darstellung zwangsläufig umgekehrt. Es gibt keinen Einnahmeplan, sondern man nimmt dann andere Medikamente wie zum Beispiel ACC akut oder Aspirin ein, wenn es notwendig ist. Insofern sind hier keine Haken in der Darstellung, sondern es steht an den Tagen, an denen ein Medikament als Bedarfsmedikation eingenommen wurde, eine Zahl mit der Anzahl oder Dosis. In Bild 1 kann man zum Beispiel erkennen, dass ich eine Dosis Aranesp am Samstag, den 5.8.17, injiziert habe.

Übersicht über Messungen

Alle vom Nutzer im angezeigten Monat vorgenommenen und eingetragenen Messungen werden in diesem Bereich angezeigt. Darüber definiert sich dann auch die Länge des Gesamtberichtes. Wie in Bild 2 zu sehen ist, habe ich im Monat August 2017 zu den folgenden vier Werten Messungen erfasst: Blutdruck, beziehungsweise getrennt in dieser Darstellung nach Systole und Diastole, dann Puls und schließlich mein Gewicht.

Auch ganz wesentlich für ein Gesundheitstagebuch: wesentliche Blutwerte können in dieser Rubrik erfasst werden. Dies habe ich auch – wenngleich hier nicht dargestellt – im Sinne der besseren Interpretationsmöglichkeiten für die wichtigsten Blutwerte, die ich beobachte, getan.

Die grafische Darstellung der Blutdruckkurven mit den Einzelwerten als Punkte in der jeweiligen Tagesspalte und der bei der Systole unter und bei der Diastole über den Messwerten zur besseren Darstellung hellblau ausgefüllten Fläche finde ich gut. Auch die Anzeige mehrerer Messwerte eines Tages, zum Beispiel am 6. August an den zahlreichen Punkten zu erkennen, gefällt mir.

Neben einem aus meiner Sicht eher wenig aussagefähigen rechnerischen Durchschnittswert im ausgewerteten Kalendermonat werden bei den beiden Blutdruckwerten in der ersten Spalte folgende weitere Daten angegeben: der jeweils höchste und niedrigste gemessen Wert.

Gesundheitstagebuch - Messungen

Bild 2: Monatsübersicht über Messwerte

Zusätzlich wird, was ich wirklich hilfreich finde, angegeben, unter und über welchem Messwert sich 90% aller Messungen befanden. Dadurch bekommt man das Intervall angegeben, in dem sich Blutdruck und die anderen Werte normalerweise befinden und Extremwerte werden herausgefiltert.

Verbessern könnte man aus meiner Sicht – gerade da es sich ja um eine Übersichtsgrafik handelt – die Darstellung, indem man horizontale Bereiche für „niedriger Blutdruck“, „Normbereich“ und „erhöhter Blutdruck“ einzeichnet. So kann der Nutzer eine leichtere Einschätzung und Bewertung seiner Werte, zumindest beim Blutdruck vornehmen. Ein Beispiel, wie das aussehen kann, findet man in meinem Artikel Aus Withings wird Nokia – Teil 1: die Webseite und Blutdruck-Auswertungen“.

Die Darstellungen für Puls und Gewicht sowie die Angabe der einzelnen Monatskennzahlen (also niedrigster Wert und so weiter) sind – wie auch in Bild 2 zu sehen – analog dem Blutdruck und beschreibe ich deshalb hier nicht detaillierter.

Im Anschluß daran würden weitere Werte, wie zum Beispiel Blutwerte aus Laborberichten, die man in der App erfassen kann, in analoger Darstellung angezeigt.

Symptom-Übersichten

Zwingend für die Eingabe der Symptome ist bei MyTherapy eine Einschätzung des allgemeinen Befindens zwischen 5 (sehr gut) und 1 (sehr schlecht). Ruft man die entsprechende Funktion in der App auf, so ist der Mittelwert 3, hier übrigens zutreffenderweise als „normal“ bezeichnet (wer möchte stattdessen schon eingeben, dass es ihm „durchschnittlich“ geht), voreingestellt. Selbstverständlich kann dieser Wert geändert werden, aber eine Löschung und Speicherung von Symptomen ohne die Angabe einer Ziffer für das Allgemeinbefinden geht nicht. Erst danach können die eigentlichen Symptome eingegeben werden.

Auch bei der Darstellung der Auswertung zu den Symptomen sind in den Übersichtsgrafiken am Anfang die eingegebenen Werte für das Allgemeinbefinden in bekannter Form dargestellt: je Tagesspalte sind Punkte für die an dem jeweiligen Tag eingegebenen Werte zwischen 1 und 5 eingezeichnet. Wurden mehrere Werte an einem Tag eingegeben, so sind auch mehrere Punkte in der Reihenfolge der zeitlichen Eingabe an diesem Tag in der entsprechenden Spalte dargestellt. Alle Punkte werden über den zeitlichen Verlauf dann zu einer Art Fieberkurve des subjektiven Wohlbefindens über den gesamten Monat verbunden, so dass Schwankungen und Entwicklungen gut erkennbar sind.

Gesundheitstagebuch - Symptome

Bild 3: Übersichtsdarstellung für Symptom-Einträge

In der ersten Spalte der „subjektives Wohlbefinden“, in der in anderen Kategorien ja zum Beispiel Durchschnittswerte angegeben werden, steht hier die Prozentverteilung für die eingegebenen Werte für das allgemeine Wohlbefinden. In Bild 2 also beispielsweise 0% für 1=sehr gut oder 13% für 3-normal.

In der zweiten Darstellung werden dann die erfassten eigentlichen „häufigsten Symptome“ dargestellt. Sie sind in der Reihenfolge der Häufigkeit ihrer Eingaben angegeben, also das am meisten im Monat eingegegebene Symptom (in Bild 3 also Sodbrennen) als erstes und dann in absteigender Reihenfolge alle anderen, die im Monat verwendet wurden. Die Tage, an denen das Symptom eingegeben wurde, sind mit einem „X“ gekennzeichnet.

Wenn in der aktuellen Version der App (Stand August 2017) mehr als eine Eingabe eines Symptoms an einem Tag erfolgt (also beispielsweise zweimal Kopfschmerzen, einmal morgens und einmal abends an demselben Tag), dann wird das zwar in der Summenspalte aufaddiert, aber nicht in den Tagesspalten angezeigt. So ist in der ersten Zeile in Bild 3 bei Sodbrennen zu sehen, dass Sodbrennen bis dahin viermal im Monat eingegeben wurde, aber es sind nur drei Kreuze in den Tagesspalten zu sehen. An einem dieser drei Tage habe ich also zweimal Sodbrennen eingegeben.

Übersicht über erfasste Aktivitäten

Auch Aktivitäten jeglicher Art können in der App erfasst werden, siehe oben. Dabei ist die Einheit, die hier über alle Werte zur Anwendung kommt Minuten (pro Tag). Es gibt im Bericht – hier ohne Darstellung – eine Zusammenfassung der Anzahl Minuten pro Tag über alle Aktivitäten, die dann darunter in die Anzahl Minuten pro Tag für jede einzelne Aktivität aufgeteilt wird. So könnte ein Tag mit 90 Minuten Gesamtaktivitäten aus so unterschiedlichen Aktivitäten wie 75 Minuten „Zeit für mich“ und 15 Minuten „Boxen“ bestehen.

Erstellung der Auswertung

Der Bericht kann jederzeit in der App vom Benutzer angefordert werden. Es gibt keinen Automatismus, der ihn zu bestimmten Terminen wie beispielsweise an jedem Monatsende versendet, und ein solcher Automatismus kann auch nicht vom Nutzer eingegeben werden.

Ein Bericht erstreckt sich dabei immer über einen vordefinierten Zeitraum, das heißt einen Kalendermonat. Diesen Kalendermonat kann man – rückwirkend bis zum Beginn der Nutzung der App MyTherapy – bei der Berichtserstellung aussuchen. Auch für noch laufende Monate, wie man an den Screenshots dieses Artikels sieht, kann der Bericht angefordert werden und stellt dann den entsprechenden Fortschritt abhängig vom aktuellen Datum, in diesem Artikel dem 7.8.17, dar.

Gesundheitstagebuch - Berichtserstellung

Bild 4: Aufruf Berichtserstellung

Die Berichtserstellung stößt man an, indem man im Hauptmenü in der Fußzeile der App den Punkt „Tagebuch“ aufruft und anschließend in der rechten oberen Ecke auf „Bericht“ klickt, siehe Bild 4.

Es öffnet sich die in Bild 5 dargestellte Ansicht, in der man in der Zeile „Monat“ den zur Berichtserstellung gewünschten Monat auswählt. Anschließend tippt man auf den „Bericht per Email zusenden“-Button und der Bericht wird versendet.

Dabei kann keine beliebige Empfängeradresse für den Bericht eingegeben werden, sondern es werden standardmäßig alle Berichte an die als Nutzer der App hinterlegte Emailadresse gesendet.

Gesundheitstagebuch - Berichtszeitraum

Bild 5: Auswahl Berichtsmonat

Fazit

Die Berichte sehen toll aus, die Informationen sind gut aufbereitet und sinnvoll. Wer sich ein Gesundheitstagebuch anlegen will, der kommt mit MyTherapy sehr weit.

Aber Achtung: die App kann nur die Grundlagen geben und Unterstützungen bieten. Der Aufwand für wirkliche sinnvolle Ergebnisse liegt immmer beim Nutzer. Er muss Daten eingeben, ohne die es keine Ergebnisse geben kann. Und je umfangreicher die Datenerfassung, desto mehr kann aus den Daten herausgelesen werden. Es bedarf – unabhängig von der Nutzung von MyTherapy oder einer anderen App – der Motivation und Disziplin des Nutzers!

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